Folge 9: Pflanzentechnologie in Bayern

Shownotes

Gemeinsam mit unseren Gästen blicken wir hinter die Kulissen eines Berufs, der Natur, Wissenschaft und auch Technik verbindet. Was genau macht ein Pflanzentechnologe? Wie laufen Züchtungsversuche ab? Welche Rolle spielen Technik und Digitalisierung? Und warum ist diese Arbeit so wichtig für Ernährungssicherheit, Klimaanpassungen und unsere zukünftige Landwirtschaft?

Wenn du gerne mit Pflanzen arbeitest, naturwissenschaftlich interessiert bist und Freude daran hast, Neues zu entwickeln, dann ist diese Folge genau das Richtige für dich. Erfahre, wie du als Pflanzentechnologin oder Pflanzentechnologe in Bayern dazu beitragen kannst, unsere Kulturpflanzen widerstandsfähiger, ertragreicher und nachhaltiger zu machen – mit Know-how, Neugier und einem grünen Daumen.

Das Gespräch führt Heike Zeller.

Unsere Gäste: Alexandra Limmer-Rabe Matthias Prebeck

Keine Folge verpassen? Dann abonnier uns!

Weitere Infos und Links: https://www.stmelf.bayern.de/bildung/agrarbereich/berufe-im-agrarbereich/index.html https://www.lfl.bayern.de/verschiedenes/presse/pms/2022/297783/index.php

Transkript anzeigen

00:00:00: Es ist einer der wichtigsten Berufe überhaupt.

00:00:02: Wir haben eine stetig steigende Weltbevölkerung.

00:00:05: Wir müssen mit Klimaerwärmung und anderen Problematiken umgehen können.

00:00:10: Was kann es Wichtigeres geben, als auf eine gesunde Art und Weise Nahrungsmittel zu produzieren?

00:00:15: Wenn ich frühmorgens draußen bin und man merkt, wie die ganze Natur langsam erwacht,

00:00:21: dann hat das Ganze auch etwas Meditatives.

00:00:24: Man ist dann mit der Natur ein bisschen im Einklang.

00:00:27: Es ist so eine schöne Arbeit.

00:00:28: Absolut erfüllend.

00:00:33: Intro: Land.Schafft.Bayern – Der Podcast mit Menschen, die Bayern bewegen.

00:00:40: Herzlich willkommen zu unserem Podcast aus dem Bayerischen Staatsministerium

00:00:44: für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus.

00:00:48: Heute geht es um einen ganz besonderen Grünen Beruf.

00:00:52: Er ist erst gut zehn Jahre alt und es gibt in ganz Deutschland nur eine einzige Schule,

00:00:58: wo man ihn lernen kann.

00:01:00: Er beschäftigt sich mit Staubbeuteln, ist aber keine Reinigungskraft.

00:01:04: Er beschäftigt sich viel mit Stempeln, ist aber kein Beamter.

00:01:09: Und er ist quasi Zuchtleiter, aber steht nicht im Stall.

00:01:14: Tja, um was geht es dann wohl? Das werden wir gleich hören.

00:01:17: Ich bin Heike Zeller und meine beiden heutigen Gäste, auf die ich mich sehr freue,

00:01:22: nehmen uns mit zu ihrem Beruf, der ganz feinkörnig ist.

00:01:26: Sie haben uns auch zwei Gegenstände mitgebracht. Die liegen hier schon auf dem Tisch.

00:01:29: Wer uns also auch anschauen möchte du nicht nur anhören, kann auf YouTube rüberspringen,

00:01:33: auf den Kanal des Ministeriums „Land.Schafft.Bayern“.

00:01:37: Aber ihr könnt uns auch ganz klassisch im Audio-Podcast zuhören.

00:01:42: Dann komme ich zu euch: Wer bist du, was machst du und was hast du uns mitgebracht?

00:01:47: Ich bin der Matthias, ich bin Pflanzentechnologe

00:01:49: und ich habe heute meinen Block und meinen Stift mitgebracht.

00:01:53: Ich beobachte Pflanzen in ihrer Entwicklung

00:01:58: und notiere mir dann Wuchsform, Wuchshöhe und alles, was die Pflanze so umgibt.

00:02:04: Du hast so einen kleinen Block mitgebracht mit Kugelschreiber.

00:02:07: Der Block passt wahrscheinlich auch in die hintere Hosentasche?

00:02:09: Richtig.

00:02:11: Also immer dabei. Super.

00:02:13: Dann kommen wir auch zu dir: Wer bist du, was machst du und was hast du uns mitgebracht?

00:02:17: Ich bin die Alex, ich bin auch Pflanzentechnologin

00:02:20: und ich habe eine elektronische Pipette mitgebracht.

00:02:24: Die brauche ich im Labor, wenn ich größere Mengen an Flüssigkeiten bewegen will.

00:02:30: Das ist ein steriler Aufsatz.

00:02:34: Ich kann es mal ausprobieren, schau…

00:02:37: Mit dem Wasserglas.

00:02:38: Es sieht ein bisschen aus wie ein Fieberthermometer für Kinder.

00:02:42: Da kann man draufdrücken und dann kommt die Flüssigkeit raus.

00:02:44: Genau.

00:02:45: Das ist ja cool. An dem Messteil kann man genau sehen, wie viel das ist.

00:02:49: Genau. Ich bin in der Gewebekultur, genauer gesagt produzieren wir doppelhaploide Pflanzen.

00:02:54: Es gibt verschiedene Wege, wie man dahinkommt.

00:02:58: Und bei einem brauche ich die sehr viel.

00:03:00: Und kannst du es vielleicht in einem Satz sagen, was Pflanzentechnologie ist, Matthias?

00:03:04: Als Pflanzentechnologe bekommt man alle wichtigen Werkzeuge an die Hand,

00:03:08: um neue Sorten züchten zu können.

00:03:11: Also die komplette Pflanzenzüchtung. - Ja.

00:03:14: Warum ist das dann so ein junger Beruf, also ungefähr zehn Jahre alt?

00:03:18: Alex, wie kommt das?

00:03:19: Also, bis jetzt gab es die landwirtschaftlichen Ausbildungen auf der einen Seite

00:03:24: und dann die ganzen technischen Assistenten fürs Labor und es fehlt sozusagen die Überschneidung.

00:03:31: Die einen kennen sich nicht so gut mit der Pflanze oder der Landwirtschaft aus

00:03:36: und die anderen nicht so gut mit dem Versuchswesen.

00:03:38: Und so hat man die Kombination geschaffen.

00:03:42: Und ist das schon sehr bekannt? Springen da Firmen gleich an und sagen:

00:03:46: „Super, dass es euch gibt!“ oder wie ist da die Lage?

00:03:48: Ich glaube eher nicht. Das ist noch nicht sehr verbreitet.

00:03:52: Das heißt, wie machen jetzt nicht nur Werbung für die Ausbildung, sondern auch für die Ausbilder.

00:03:56: Also Firmen, hört uns gut zu!

00:03:58: Und ist das in ganz Deutschland so? Ist das vergleichbar, habt ihr da einen Einblick?

00:04:01: Ja, tatsächlich habe ich nochmal mit der Berufsschule gesprochen.

00:04:06: Im Norden und im Osten Deutschlands stellt sich die Situation ganz anders dar,

00:04:11: da ist der Pflanzentechnologe sehr gefragt.

00:04:14: Wenn ich mich richtig erinnere, waren es 80 Prozent oder mehr derjenigen,

00:04:19: die einen Abschluss machen, die zu dem Zeitpunkt schon eine feste Stelle haben.

00:04:23: Das ist da schon bekannter sozusagen. - Auf jeden Fall.

00:04:27: Alex, wie kommst du denn zu diesem Beruf? Wie war dein Weg dahin?

00:04:31: Ich hatte schon eine andere Ausbildung als Industriekauffrau.

00:04:36: Das habe ich sogar auch ganz lange ausgeübt.

00:04:39: Dann ist mein Arbeitgeber umgezogen und ich konnte bzw. wollte nicht mitziehen.

00:04:46: Und dann habe ich mir wirklich nochmal überlegt: Was will ich eigentlich?

00:04:50: Dann habe ich mit 40 nochmal eine Ausbildung zur Pflanzentechnologin gemacht.

00:04:56: Wow, ganz was anderes.

00:04:58: Vorher im Büro und jetzt Pflanzentechnologin. Wie kamst du dazu?

00:05:04: Ich habe genau gesucht, was ich will und der Pflanzentechnologe war es dann wirklich punktgenau.

00:05:11: Den hatte ich vorher gar nicht auf dem Schirm.

00:05:15: Als ich es gesehen habe, dachte ich mir: „Wow, das ist es!“

00:05:17: Da habe ich genau die Mischung, da bin ich nicht nur draußen,

00:05:22: sondern auch drinnen im Gewächshaus und auch teils im Labor.

00:05:27: Das ist genau meins.

00:05:29: Also, draußen auf dem Feld, im Gewächshaus, im Labor, da sind schon einige Orte gefallen.

00:05:33: Matthias, du hast jetzt deine erste Ausbildung in der Pflanzentechnologie.

00:05:37: Wie hat sich das bei dir ergeben?

00:05:39: Ich bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen.

00:05:43: Mein Vater hat sich damals mit mir zusammen ein bisschen informiert,

00:05:47: welche Ausbildung man machen könnte, um nicht direkt Landwirt zu lernen,

00:05:53: sondern ein bisschen mehr ins Detail zu gehen.

00:05:55: Wir waren schon immer ein Vermehrungsbetrieb für verschiedene Züchter.

00:06:01: Durch mehrere Gespräche mit Züchtungsfirmen sind wir draufgekommen,

00:06:06: dass eine Ausbildung zum Pflanzentechnologen angeboten wird,

00:06:10: die noch ziemlich jung ist und noch in den Kinderschuhen steht.

00:06:13: Dann habe ich bei einem Züchter in der Nähe angefragt,

00:06:16: ob ich dort die Ausbildung machen könnte -

00:06:19: damals gab es in Bayern noch keine Lehrbetriebe für diesen Beruf.

00:06:23: Mir wurde es dann ermöglicht, dass ich da die Ausbildung machen konnte.

00:06:27: Und ich habe jetzt auch den Meister gemacht und bin nach wie vor dem Beruf treu geblieben.

00:06:32: Sehr cool.

00:06:33: Ich habe ja schon gesagt, es ist ein junger Beruf.

00:06:36: Und wir haben sage und schreibe den ersten Absolventen Bayerns

00:06:40: und die dritte Absolventin Bayerns in diesem Beruf.

00:06:44: Wenn wir über die Ausbildung reden – was muss ich denn mitbringen,

00:06:48: welchen Schulabschluss muss ich haben, wie muss ich drauf sein, was muss ich mögen?

00:06:52: Man muss die Natur lieben und gerne draußen sein.

00:06:55: Natürlich gibt es auch Bereiche oder Firmen, bei denen man hauptsächlich im Labor ist.

00:07:02: Das ist ganz unterschiedlich und breitgefächert.

00:07:05: Das hat sich auch in der Schule gezeigt,

00:07:07: als man auf die Leute getroffen ist, die mit einem die Ausbildung machen.

00:07:11: Jeder ist in einem anderen Zweig unterwegs,

00:07:16: aber der gemeinsame Nenner ist eben die Pflanze.

00:07:20: Wenn man Interesse am Grünen

00:07:24: und einen kleinen grünen Daumen hat, ist das schon der wichtigste Grundstein.

00:07:29: Und ein Grundinteresse an Biologie, Flora und Fauna ist natürlich sehr wichtig.

00:07:35: Wenn du sagst, aus welcher Richtung die Leute kommen, was meinst du damit?

00:07:38: Es gibt Firmen, die in der Getreidezüchtung unterwegs sind oder bei Kulturpflanzen, die landwirtschaftlich nötig sind.

00:07:47: Es gibt aber auch Betriebe, die sich z. B. auf Blumen- oder Gemüsezüchtung spezialisiert haben.

00:07:58: Da denkt man erst mal, es geht ja alles irgendwie nur um die Pflanze.

00:08:03: Aber der große Unterschied ist,

00:08:05: der eine ist im Gewächshaus oder im Labor tätig

00:08:08: und die anderen sind dann eher mit den großen Maschinen auf den Feldern unterwegs

00:08:11: oder in der Saatgutaufbereitung. Es ist auf jeden Fall sehr vielfältig.

00:08:14: Zum einen haben wir verschiedene Arten von Firmen und Institutionen, wo die Leute herkommen

00:08:20: aber auch inhaltlich, welche verschiedenen Arten von Pflanzen sie machen.

00:08:24: Alex, was würdest du sagen, was muss man mitbringen, um Pflanzentechnologin zu werden?

00:08:30: Ich finde eine sehr genaue Arbeitsweise wirklich wichtig, vor allem im Versuchswesen.

00:08:36: Da muss man schon sehr genau arbeiten,

00:08:40: weil man sonst am Ende keine mathematische Signifikanz herausrechnen kann.

00:08:46: Man hat auch ganz viele verschiedene Genotypen. Da darf man nichts durcheinanderbringen.

00:08:52: Es ist wirklich wichtig, dass man sehr genau arbeitet

00:08:55: und dass man z. B. auch ein Verständnis für Chemie hat.

00:08:59: Was kann ich mir unter Genotypen vorstellen? Sind das Körnchen?

00:09:04: Nein, Genotyp meint eigentlich eine Kreuzung, die aber noch keine Sorte ist.

00:09:09: Genotyp spricht also für eine spezielle Genetik.

00:09:13: Da kommt das raus, was du auch angesprochen hast:

00:09:16: Man hat mit der Natur zu tun, aber mit einer ganz anderen Tiefe.

00:09:21: Jetzt haben wir schon gehört, die Leute kommen von verschiedenen Arten von Betrieben und Institutionen,

00:09:26: sie haben mit verschiedenen Arten Pflanzen zu tun.

00:09:29: Ihr seid beide Gesellin/Geselle der Pflanzentechnologie, du auch noch Meister.

00:09:34: Was gibt es denn noch? Kann man sich fortbilden?

00:09:37: Was kann man mit dem Beruf machen?

00:09:38: Mit dem Abschluss zum Gesellen kann man eben den Meister machen

00:09:44: und theoretisch danach noch studieren.

00:09:48: Mit der Meisterausbildung wird einem hauptsächlich das Arbeiten mit Auszubildenden vermittelt,

00:09:53: also nochmal ein großer Pädagogikanteil.

00:09:56: Und natürlich geht man noch mehr in die Tiefe als bei der Gesellenausbildung.

00:10:02: Also inhaltlich in die Tiefe und auch, dass man Leute ausbildet.

00:10:07: Genau.

00:10:08: Alex, du hast auch viel mit Ausbildung zu tun.

00:10:11: Heißt das, du bist für die Pflanzentechnologinnen und -technologen in Bayern zuständig?

00:10:17: In unserer Abteilung im DH-Labor…

00:10:20: Was heißt DH?

00:10:21: Doppelhaploide.

00:10:23: Also derselbe Chromosomensatz verdoppelt, nicht die Neukombination.

00:10:28: Da bin ich zuständig für alles, was das Labor angeht.

00:10:34: Da sind auch nicht nur Pflanzentechnologen, sondern z. B. auch Praktikanten aus der Schule aus Landsberg.

00:10:41: Wir haben auch manchmal Schülerpraktikanten von der FOS,

00:10:44: die nur für sechs Wochen da sind, also wirklich ganz verschiedene Optionen.

00:10:48: Und die kommen zu uns.

00:10:51: Beim Pflanzentechnologen ist es so, dass die DH-Technologie auch Prüfungsfach ist.

00:11:00: Also, man wählt für die praktische Prüfung zwei verschiedene Prüfungsfelder aus

00:11:07: und DH ist eben eines davon, das Labor.

00:11:11: Das heißt, die Leute kommen von der FOS, du kamst dorthin mit einer fertigen Ausbildung.

00:11:18: Du kamst frisch vom Abi oder von der Realschule?

00:11:20: Frisch von der Realschule.

00:11:23: Ist Realschule die Voraussetzung oder kann man das auch mit Mittelschule machen?

00:11:28: Man kann natürlich auch mit Mittelschule anfangen.

00:11:31: Das ist ja auch immer unterschiedlich je nach Ausbildungsberuf.

00:11:34: Wenn du Abitur hast oder eine abgeschlossene Ausbildung,

00:11:38: kannst du theoretisch auf zwei Jahre verkürzen.

00:11:41: Normalerweise ist es eine dreijährige Ausbildung und dann fällt einfach das mittlere Schuljahr raus.

00:11:47: Das muss man selbst nachlernen. Du kriegst dafür die Unterlagen.

00:11:51: Es sind tatsächlich sehr wenige Verkürzer

00:11:54: und es werden auch immer weniger, weil man richtig viel lernen muss.

00:11:59: Viele Leute haben eben keine Grundbildung was Landwirtschaft angeht.

00:12:04: Daher sagen viele: „Dann mache ich die drei Jahre.“

00:12:06: Alex, wie schaut denn so ein typischer Tag als Pflanzentechnologin bei dir aus?

00:12:11: Ich würde zum Beispiel in der Früh ins Gewächshaus gehen.

00:12:16: Dann ernte ich meine Gerstenpflanzen für die Kältevorbehandlung,

00:12:21: d. h. die werden einem Kältestress unterzogen und dafür müssen sie in einem bestimmten Stadium sein,

00:12:25: damit das alles funktioniert.

00:12:27: Da bin ich in der Früh in aller Ruhe im Gewächshaus zwischen den Pflanzen, das ist herrlich.

00:12:33: Dann ernte ich das und gehe nach drinnen ins Labor.

00:12:36: Unter sterilen Bedingungen packe ich sie dann aus, lege sie steril ein.

00:12:40: Dann kommen sie in den Kühlschrank für drei bis fünf Wochen.

00:12:44: Die Pflanzen, die schon so weit sind, hole ich und verarbeite sie im Mikrosporenlabor weiter.

00:12:51: Da brauche ich auch meine Pipette, da hole ich den Pollen aus der Ähre heraus.

00:13:00: Daraus wird dann Kallus.

00:13:03: Also musst du immer vorplanen.

00:13:05: Um sie zu ernten, müssen sie ja vorher angepflanzt worden sein usw.

00:13:12: Dann erntest du sie und bereitest sie vor,

00:13:15: um sie in einer bestimmten Zeit den Sachen zu unterziehen, was du gerade gesagt hast.

00:13:20: Also, du musst viel planen und überlegen, was zu tun ist.

00:13:23: Genau. Dafür muss eine große Planung da sein, damit alles vorhanden ist, wenn du es brauchst.

00:13:29: Auch z. B. wenn du kreuzt, willst du manchmal mit etwas bestäuben

00:13:35: und dafür brauchst du ja auch beide Partner.

00:13:39: Das Bestäuben stell ich mir mit Pinsel vor, oder wie mache ich das?

00:13:42: Wie schaut ein typischer Tag bei dir aus, Matthias?

00:13:45: Das ist das Spannende: Typische Tage gibt es selten.

00:13:49: Derzeit wäre es so, dass ich morgens aufs Feld fahre

00:13:54: und Gelbtafeln auf Schädlingsbefall in der Fläche kontrolliere.

00:14:01: Derzeit ist ein wichtiges Thema die Schilf-Glasflügelzikade,

00:14:06: in der Zuckerrübe ein Überträger von Stolbur…

00:14:11: …eine Krankheit bei Zuckerrüben.

00:14:13: Genau. Dann kontrolliere ich die Blätter auf Pilzbefall o. ä.

00:14:18: und entscheide dann erst, was ich heute machen kann,

00:14:21: abhängig von Wetter, Sonneneinstrahlung, evtl. Niederschlag oder Wind.

00:14:25: Dementsprechend ist jeder Tag anders.

00:14:28: Manchmal kann man nichts machen, manchmal kommt alles auf einmal.

00:14:32: Aber das macht es spannend.

00:14:33: Du hast gerade Gelbtafeln erwähnt. Was ist das?

00:14:36: Die Gelbtafel ist eine mit Leim bestrichene Tafel, auf der Insekten kleben bleiben.

00:14:45: Und anhand der darauf gefundenen Insekten

00:14:48: können wir die Befallsstärke in bestimmten Regionen bestimmen.

00:14:52: Also, die fliegen dagegen und dann kannst du sehen, was da überhaupt dagegenfliegt und wie viel.

00:14:57: Genau.

00:14:59: Und wenn da jetzt sehr viel auf der Gelbtafel ist –

00:15:01: nehmen wir mal an, da sind zehn Schilf-Glasflügelzikaden pro Quadratzentimeter,

00:15:13: was wahrscheinlich ganz ganz viel wäre… - Das wäre dann verheerend…

00:15:17: Was würde das dann heißen für deinen Tag?

00:15:19: Das würde erst einmal für meinen Tag heißen, dass ich einen starken Befall auf der Fläche habe.

00:15:26: Dementsprechend muss man dann entscheiden, wie man damit umgeht.

00:15:29: Ich muss dann meine Vorgesetzten informieren, damit die im Bilde sind.

00:15:34: Wenn bei uns Landwirte anrufen, was sie jetzt machen sollen

00:15:38: und schildern, dass sie Befall haben, aber nicht wissen, wie viel,

00:15:42: dann können wir grob einschätzen, wie viele Schilf-Glasflügelzikaden

00:15:46: gerade in der Gegend unterwegs sind und ob man dagegen behandeln müsste oder nicht.

00:15:53: Also bist du letztendlich ein Pflanzenbauberater.

00:16:01: Genau.

00:16:02: Dann wissen die Leute, ob sie vielleicht ein Gegenmittel spritzen müssen

00:16:06: oder andere Maßnahmen ergreifen.

00:16:09: Es ist auf jeden Fall wichtig, die Anrufer so zu informieren,

00:16:16: dass andere Insekten durch die Behandlung auch nicht geschädigt werden.

00:16:21: Ist der Befall nicht so schlimm, muss man entscheiden, ob es wirklich relevant ist

00:16:27: oder ob man das Ganze noch etwas schieben kann.

00:16:29: Genau. So ein Monitoring machen wir auch an der Landesanstalt für Landwirtschaft bayernweit,

00:16:34: damit die Landwirte sich an uns wenden können und wissen, worauf sie zu welchem Zeitpunkt achten müssen.

00:16:41: Ja, spannend. Dann bist du zwischen Gewächshaus und Labor unterwegs

00:16:46: und du bist den ganzen Tag auf dem Feld oder auch im Labor, Matthias?

00:16:50: Ich war früher sehr viel im Labor.

00:16:52: Leider hat sich das ein bisschen gewandelt.

00:16:55: ich möchte gerne noch mehr im Labor machen, aber das ist derzeit leider nicht mehr möglich.

00:17:00: Mein jetziger Arbeitgeber hat kein Labor.

00:17:03: Aber ich bin genauso gerne am Feld und habe jetzt auch die Abwechslung.

00:17:07: Ich bin nicht nur am Feld.

00:17:09: Wenn das Wetter schlecht ist und es viel regnet, bin ich auch im Büro.

00:17:12: Wir haben auch schon die Schule angesprochen.

00:17:15: Es gibt eine Schule in ganz Deutschland für die überbetriebliche Ausbildung.

00:17:18: Wie läuft das ab? Fährt man da jede Woche hin?

00:17:20: Wahrscheinlich nicht, wenn es für die meisten zu weit ist.

00:17:23: Wie läuft das ab, Alex?

00:17:25: Blockunterricht, insgesamt elf Wochen im Jahr.

00:17:28: Das ist aufgeteilt in drei Blöcke.

00:17:32: Die Schule kümmert sich um die Organisation einer Unterkunft.

00:17:39: Bezahlen muss man es selbst, normalerweise übernimmt es der Betrieb.

00:17:43: Dann fährt man mit dem Zug oder Auto, je nach Alter.

00:17:48: Einbeck liegt in der Mitte Deutschlands, also fair für alle.

00:17:54: Außerdem ist dort auch ein sehr großes Saatgutunternehmen vor Ort.

00:17:59: Dann ist auch viel Wissensaustausch da. Ganz spannend.

00:18:02: Ich habe jetzt ein Entweder-oder-Spiel für euch vorbereitet.

00:18:04: Ein paar Sachen haben wir schon angesprochen. Ich fange mit dir an, Alex.

00:18:08: Lieber Kittel oder lieber Anorak?

00:18:10: Kittel. Mein Laborkittel.

00:18:13: Jetzt weiß ich nicht, ob das noch passt bei dir, Matthias.

00:18:16: Lieber Pollen oder lieber Stempel entfernen?

00:18:19: Lieber Pollen entfernen.

00:18:21: OK. Alex, als was fühlst du dich eher, als Bäuerin, als Gärtnerin oder als Laborantin?

00:18:26: Als Laborantin. Das ist mein Haupteinsatzgebiet.

00:18:30: Matthias, wo fühlst du dich am wohlsten? Feld, Gewächshaus oder Labor?

00:18:34: Tatsächlich derzeit am Feld.

00:18:37: Alex, lieber Sommerarbeiten oder Winterarbeiten?

00:18:40: Das ist bei mir nicht so der große Unterschied im Labor.

00:18:44: Das hat auch mit den Anfangszeiten zu tun, wo ich wirklich besser dran bin.

00:18:51: Das heißt, im Sommer fangt ihr früher an, weil es früher hell wird?

00:18:55: In der Landwirtschaft grundsätzlich, weil es irgendwann auch so heiß ist,

00:18:59: dass du draußen nicht mehr arbeiten kannst.

00:19:01: Und das trifft bei mir nicht zu.

00:19:03: Bei dir ist es also relativ unabhängig. - Genau.

00:19:05: Matthias, jetzt hast du die Frage, die auch zu Alex gut gepasst hätte:

00:19:08: Lieber doppelhaploid oder diploid?

00:19:10: Lieber doppelhaploid.

00:19:12: OK, vielleicht kannst du es noch ein bisschen erklären?

00:19:14: Das war bei uns ein großes Thema in der Gerstenzüchtung.

00:19:17: Wir haben nur mit Doppelhaploiden gearbeitet,

00:19:20: weil es die ganze Entwicklung einer neuen Sorte um einiges an Zeit verkürzt.

00:19:27: Es macht die einzelnen Linien, mit denen man arbeitet, stabiler.

00:19:30: Man hat nicht so große Schwankungen innerhalb der neuen Züchtung.

00:19:33: Dementsprechend hat das die ganze Züchtung revolutioniert und vereinfacht.

00:19:41: Deswegen lieber doppelhaploid.

00:19:43: Ich habe mir das in der Vorbereitung auch angelesen.

00:19:47: Ich musste nachschauen, was das Wort heißt.

00:19:49: Vielleicht habe ich das mal in Biologie gelernt, aber ich wusste es nicht mehr.

00:19:53: Wenn ich es richtig verstanden habe, heißt doppelhaploid,

00:19:55: ich nehme beide Chromosomensätze entweder aus der männlichen oder weiblichen Seite.

00:20:04: Und diploid bedeutet, ich habe eine Mutter- und eine Vaterpflanze.

00:20:08: Stimmt das so?

00:20:09: Normalerweise hast du bei der Kreuzung das Erbgut zu Hälfte vom Vater und zur Hälfte von der Mutter.

00:20:16: Wir arbeiten nur mit einer dieser Hälften.

00:20:21: Das ist dann der weibliche bzw. männliche Weg.

00:20:25: Und das verdoppeln wir einfach.

00:20:27: Damit haben wir es auf einen Schlag zu hundert Prozent homogen, homozygot haben.

00:20:34: Und das brauchst du, um das als Sorte überhaupt anmelden zu können.

00:20:37: Und da spart man sich tatsächlich sechs Jahre in der Züchtung.

00:20:43: Sagen wir einmal, wir haben jetzt viel längere Trockenphasen, das war vorher nicht so.

00:20:49: Jetzt nimmt man z. B. aus Frankreich den Vater, der gut mit der Trockenheit umgehen kann

00:20:57: und du hast die Mutter, die eine Resistenz gegenüber dem Pilz hat, der bei Trockenheit auftritt.

00:21:06: Jetzt kreuzt du das und dann kommen auch Eigenschaften mit, die du eigentlich nicht willst.

00:21:10: Du willst ja in diesem Fall nur, dass er gut mit Trockenheit umgehen kann.

00:21:14: Den Rest musst du dann wieder ausselektieren und so lange rückkreuzen, bis du es homozygot hinbekommst,

00:21:22: damit es auf dem Feld nicht mehr aufspaltet.

00:21:25: DH-Technologie wirklich sensationell.

00:21:28: Ist das dann auch reinerbig?

00:21:31: Genau. Das bedeutet homozygot.

00:21:35: Also, wenn ich euch zuhöre, habe ich schon ein paar Antworten auf die kommende Frage,

00:21:41: aber ich möchte sie natürlich von euch hören.

00:21:43: Matthias, was mir hier im Podcast immer wichtig ist zu fragen, ist,

00:21:48: welchen Sinn du in deinem Beruf siehst und inwiefern du deinen Beruf als wichtig ansiehst,

00:21:52: um die Gesellschaft und die Welt weiterzubringen.

00:21:55: Was würdest du da sagen?

00:21:58: In erster Linie bin ich der Meinung, ist es einer der wichtigsten Berufe überhaupt.

00:22:02: Wir haben eine stetig steigende Weltbevölkerung.

00:22:05: Wir müssen mit Klimaerwärmung und anderen Problematiken umgehen können und lernen.

00:22:13: Da ist es natürlich von Vorteil, wenn man Pflanzen optimieren kann,

00:22:22: die in großen Kulturen angebaut werden und sie auf eventuelle Veränderungen in der Natur anzupassen.

00:22:30: Also auch was Alex schon angesprochen hat,

00:22:32: wenn wir längere Dürren bzw. Trockenphasen haben, müssen wir ja irgendwie reagieren.

00:22:38: Genau. Neue Schaderreger, wie zum Beispiel die Schilf-Glasflügelzikade.

00:22:42: Die gab es früher auch schon. Jetzt gerade ist das Problem –

00:22:45: genau wie bei Blattläusen: Die können Krankheiten übertragen

00:22:50: und derzeit ist die Schilf-Glasflügelzikade mit zwei Erregern aufgeladen,

00:22:54: die auf Kartoffeln oder Zuckerrüber übertragen werden und sich wie ein Lauffeuer verbreiten.

00:23:02: Damit umzugehen ist sehr schwierig und stellt die Züchtung vor eine große Herausforderung.

00:23:09: Jetzt muss eben schnell gehandelt werden.

00:23:11: Als jemand, der einfach in den Supermarkt geht und sein Essen kauft,

00:23:16: denkt man, es ist ja immer alles da.

00:23:18: Wenn aber solche Sachen im großen Stile kommen, haben wir doch irgendwann ein Problem.

00:23:22: Auch wenn wir sicher noch gut beliefert werden könnten, weil wir eine reiche Ecke der Welt sind.

00:23:26: Aber wenn es im großen Maßstab kommt, wird es schwieriger.

00:23:30: Selbst wenn nicht unbedingt etwas Neues kommt. Alles befindet sich ja in einer Evolution,

00:23:36: also auch die ganzen Krankheiten passen sich an unsere neuen Züchtungen an.

00:23:41: Das ist immer ein Wettlauf, man muss immer gegenhalten.

00:23:44: Sonst hätte man irgendwann so einen großen Aufwand an Spritzmitteln, was nicht verantwortbar wäre.

00:23:52: Alex, was würdest du sagen, ist auch noch der Sinn in deinem Beruf?

00:23:57: Für dich und was ist der Sinn des Berufes insgesamt?

00:24:01: Die Sicherstellung von Nahrungsmitteln.

00:24:04: Ich sehe das genauso wie der Matthias. Das ist ein absolut wichtiger Beruf.

00:24:09: Was der Pflanzentechnologe macht, ist ja, dass er alles drumherum macht, was der Züchter braucht.

00:24:16: Und was kann es Wichtigeres geben, als zu schauen,

00:24:19: dass wir immer auf eine gesunde Art und Weise Nahrungsmittel produzieren?

00:24:25: Dass wir immer schauen, wie man es am besten macht und auch die Natur am wenigsten schädigt.

00:24:32: Also natürlich auch, dass wir weniger Wasser brauchen, sofern das überhaupt noch da ist.

00:24:36: Oder eben auch Krankheiten.

00:24:37: Oder dass man eben auch weniger Aufwand mit Pflanzenschutzmitteln.

00:24:41: Mechanische Bodenbearbeitung gibt es ja auch.

00:24:45: Gibt es denn auch Sachen, die euch an eurem Beruf stören, Matthias?

00:24:49: Wenn man viel auf dem Feld ist,

00:24:53: muss man manchmal mit unterschiedlichen Wetterlagen klarkommen.

00:24:56: Im Sommer ist es hauptsächlich die Hitze.

00:24:58: Oder wenn man beim Bonitieren draußen ist und es aus Eimern schüttet

00:25:03: und es leider nicht anders geht.

00:25:04: Manchmal muss das eben sein, um einen gewissen zeitlichen Rahmen einzuhalten.

00:25:09: Das ist dann manchmal nicht so schön, aber da muss man durch.

00:25:14: Was heißt „bonitieren“?

00:25:17: Pflanzen bewerten, also auf unterschiedliche Eigenschaften achten,

00:25:22: notieren und im Anschluss auswerten.

00:25:26: Das geht los beim Phänotypen der Pflanze, also dem Gegenteil dessen, was Alex gesagt hat.

00:25:34: Phänotyp ist das äußere Aussehen?

00:25:36: Genau, der äußere Typ, um Sorten unterscheiden zu können.

00:25:39: Das ist wichtig, um Sorten überhaupt anmelden zu können.

00:25:42: Speziell z. B. bei der Gerste die Rotfärbung, also Anthocyanfärbung, die Wuchshöhe,

00:25:49: mehrzeilig oder zweizeilig, Bereifung.

00:25:55: Es gibt unglaublich viele Parameter, die man notieren kann…

00:26:01: Krankheiten und vieles mehr.

00:26:05: Bereifung hört sich eher nach Landtechnik an…

00:26:08: Alex, was stört dich an deinem Beruf, wenn es etwas gibt?

00:26:14: Da gibt es wirklich sehr wenig, muss ich sagen.

00:26:17: Während der Ausbildung war es durchaus das frühe Aufstehen.

00:26:22: Da lacht der Matthias auch.

00:26:25: Ich glaube, das kennt jeder, ja.

00:26:29: Ansonsten ist es da, wo ich jetzt arbeite, immer schön, egal was ich machen muss,

00:26:36: ob im Labor oder im Gewächshaus.

00:26:41: Ist das Aufstehen jetzt später geworden oder hast du dich nur daran gewöhnt?

00:26:44: Es ist später geworden.

00:26:46: Wenn man eingearbeitet ist und das mit den Kollegen geht…

00:26:50: Immer wenn ich in der Landwirtschaft gearbeitet habe, dachte ich auch immer: „Oh Gott, es ist so früh!“

00:26:56: Aber wenn man dann draußen ist, ist man wach und es ist supercool.

00:26:59: Da habe ich auch gleich die Frage:

00:27:02: Gibt es einen Moment am Tag, wo dir so richtig das Herz aufgeht?

00:27:08: Im Gewächshaus z. B. verteilt es sich und man ist wirklich alleine und das ist richtig schön.

00:27:18: Also ich mag alles wirklich gern, ich liebe es, mit den kleinen Pflänzchen zu arbeiten.

00:27:24: Wenn wir produziert haben, wachsen irgendwann aus dem Kallus kleine Pflänzchen,

00:27:32: die man dann vereinzeln muss. Und das ist so eine schöne Arbeit.

00:27:37: Matthias, wann am Tag geht dir so richtig das Herz auf?

00:27:41: Am meisten liebe ich es, wenn ich frühmorgens draußen bin

00:27:46: und man merkt, wie langsam die ganze Natur erwacht,

00:27:50: die Vögel das Zwitschern beginnen.

00:27:52: Am besten ist es dann, wenn man komplett alleine ist,

00:27:56: dann hat das Ganze auch etwas Meditatives.

00:28:00: Man ist für sich, mit der Natur im Einklang und es ist absolut erfüllend.

00:28:07: Voll schön. Ich finde auch interessant, dass ihr beide sagt: „Oh, das frühe Aufstehen…“

00:28:12: und jetzt ist genau das das Schöne daran.

00:28:15: Wenn man es geschafft hat…

00:28:17: Ich kann das auch nachvollziehen.

00:28:20: Ich habe noch ein zweites Spiel „Sätze vervollständigen“.

00:28:24: Diesmal fange ich mit dir an, Matthias.

00:28:27: Mein lustigstes Erlebnis in der Ausbildung war…

00:28:30: …als ich auch dachte, dass ich für mich alleine wäre und meine Kopfhörer während der Arbeit aufhatte

00:28:35: und ein bisschen rumgetänzelt bin und auf einmal doch eine Kollegin hinter mir stand.

00:28:41: Was für eine Musik ist da gelaufen?

00:28:43: Eher nichts zum Beruhigen, sondern mehr in Richtung Heavy Metal.

00:28:46: Dann können wir uns das jetzt vorstellen, was du da getanzt hast, sehr gut.

00:28:50: Alex, mein peinlichstes Erlebnis in der Ausbildung war…

00:28:55: Nicht direkt peinlich, aber ich kann dir etwas Schreckliches sagen.

00:29:01: Im ersten Ausbildungsjahr war ich beim Weizen und da hast du viele kleine Versuchsparzellen,

00:29:10: wo deine verschiedenen Sachen stehen. Das ist natürlich alles beschildert.

00:29:15: Wenn alle Bonituren gemacht und Proben gezogen sind,

00:29:20: dann müssen die Schilder raus, bevor abgeerntet werden kann.

00:29:23: Dann geht das ganze Team ganz in der Früh raus.

00:29:26: Man stellt sich in einer Reihe auf, jeder in einem Gang

00:29:29: und nimmt beim Durchgehen die Schilder mit.

00:29:33: Am Ende trifft man sich wieder und geht dann zusammen weiter.

00:29:37: Die Gänge sind so schmal und da sind Spinnweben

00:29:45: und da sitzen zum Teil wirklich dicke, fette Spinnen drin und man muss da durchgehen.

00:29:52: Und ich habe Angst vor Spinnen und fange richtig an zu schwitzen.

00:29:59: Dann habe ich mir gesagt: „Alex, jetzt musst du tapfer sein, sei kein Mädchen. Da musst du jetzt durch!“

00:30:06: Ich war dann richtig schnell, weil ich dachte,

00:30:08: wenn ich da so schnell durchschieße, schleudert es die Spinnen alle weg.

00:30:12: Währenddessen ist es doof, aber hinterher ist es toll

00:30:18: und man kann es erzählen, wenn man es geschafft hat.

00:30:21: Spinnen gehört dazu und sind ganz wichtig, natürlich. Aber es ist halt unangenehm.

00:30:25: Da kann man ja nichts dafür, wenn man sie nicht mag oder Angst hat.

00:30:29: Ich mag sie auch nicht.

00:30:32: Matthias, Pflanzentechnologie ist etwas für Quereinsteiger, weil…

00:30:36: …weil man sich gut und schnell mit der Natur verbinden kann.

00:30:40: Man fühlt sich in dem Thema relativ schnell aufgehoben.

00:30:44: Und es gibt sowieso immer etwas Neues.

00:30:48: Deswegen ist es nicht schlimm, wenn man Quereinsteiger ist.

00:30:52: Man muss es einfach lieben und fühlen, dann funktioniert das.

00:30:57: Jetzt habe ich extra dich gefragt, weil sie ja auch ein bisschen Quereinsteigerin ist.

00:31:01: Kannst du ihm zustimmen?

00:31:03: Ja, hat er gut gesagt.

00:31:06: Alex, Pflanzentechnologie eignet sich für alle, die…

00:31:10: …die Verantwortungsbewusstsein haben, die etwas beitragen wollen und die Pflanzen lieben.

00:31:19: Matthias, der Grund für eine Ausbildung zum Pflanzentechnologen ist…

00:31:24: …wenn man sich verantwortlich fühlt, die Menschheit ein Stück weiter nach vorne zu bringen

00:31:29: und in der Zukunft zu unterstützen.

00:31:32: Alex, auch an dich die Frage:

00:31:34: Was ist für dich der Grund für eine Ausbildung zur Pflanzentechnologin?

00:31:37: Das war auch für mich der Grund.

00:31:41: Also, natürlich wollte ich etwas finden, das ich liebe zu tun,

00:31:46: aber der Sinn ist eben auch sehr wichtig. Da ist das die perfekte Kombination.

00:31:50: Wenn ich das machen möchte, wo kann ich mich denn informieren?

00:31:54: Ich denke, man kann jederzeit an Züchtungsfirmen herantreten,

00:31:58: einfach anrufen und nachfragen.

00:32:01: Wenn man Eigeninitiative zeigt, sich selbst informiert und auf Betriebe zugeht

00:32:06: und die Betriebe vielleicht auch darauf hinweist, dass sie evtl. einen Pflanzentechnologen brauchen könnten,

00:32:13: dann werden die wenigsten nein sagen.

00:32:15: Ansonsten einfach in den Schulen nachfragen, wenn Berufsberatungen angeboten werden.

00:32:24: Hast du noch etwas zu ergänzen, Alex?

00:32:26: Die Berufsschule in Einbeck hat eine schöne Infoseite dazu.

00:32:31: Die findet man auch leicht, wenn man sie googelt.

00:32:33: Ich selbst habe ja meine Ausbildung bei der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising gemacht.

00:32:39: Wir haben da auch ab und zu Leute da.

00:32:43: Man kann sich im Sekretariat anmelden

00:32:46: und dann werden sie vermutlich zu mir gebracht, damit ich ihnen schildere, wie die Ausbildung abläuft usw.

00:32:54: Wie ein Schnuppertag oder Praktikum?

00:32:57: Das kann man ja vorher ausmachen, was derjenige will und wie viel Zeit wir auch haben.

00:33:01: Aber da sind wir sind sehr offen.

00:33:03: Das heißt, ich kann mich informieren auf der LfL-Seite. Das ist generell ein guter Tipp, wenn es um die Grünen Ausbildungsberufe geht.

00:33:11: Man kann auch auf die Seite des Landwirtschaftsministeriums gehen.

00:33:15: Dann wurde die Schule in Einbeck genannt, die für die Ausbildung in ganz Deutschland zuständig ist.

00:33:20: Wir werden die Sachen auch noch in den Shownotes verlinken.

00:33:24: Wenn ihr auch Lust habt, als Pflanzentechnologe oder Pflanzentechnologin an diesen Themen mitzuarbeiten,

00:33:27: und daran, dass die Welt und die Ernährung angesichts des Klimawandels weitergehen,

00:33:33: dann überlegt euch doch, da eine Ausbildung zu machen.

00:33:40: Damit verabschieden wir uns auch für diese Podcastfolge

00:33:43: mit einem tollen Grünen Beruf und tollen Gästen

00:33:46: aus dem bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus.

00:33:52: Outro: Land.Schafft.Bayern – Der Podcast.

00:33:59: Eine Produktion des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.