Folge 3: Die Pflanzenprofis
Shownotes
Maria und Sebastian sind begeisterte Gärtner und nehmen euch in unserer aktuellen Folge mit in ihren Berufsalltag.
Das Gespräch führt Heike Zeller.
Unsere Gäste: Maria Weingartner, Sebastian Lechner
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Weitere Infos zum Beruf gibt’s hier: https://www.stmelf.bayern.de/bildung/agrarbereich/gaertner-gaertnerin/index.html
Musik-Track: Good Luck Musik von www.fiftysounds.com/de/
Transkript anzeigen
00:00:00: Gärtner ist man eigentlich echt irgendwie im Herzen.
00:00:03: Die Natur ist einfach voller Wunder,
00:00:04: und das lernt man als Gärtner sehr zu schätzen.
00:00:08: Das ist einfach so ein cooler Beruf.
00:00:10: Du kannst Lebensräume schaffen.
00:00:12: Du kannst private Wohlfühloasen schaffen.
00:00:14: Also man sieht, was man tut.
00:00:16: Es ist ein Beruf, der eine ganz große grüne Zukunft mit sich bringt,
00:00:19: auch für das Klima
00:00:21: und an jedem Punkt auf der Welt
00:00:23: sind Gärtner ein ganz wichtiger Baustein.
00:00:29: Intro: Land.Schafft.Bayern –
00:00:31: Der Podcast mit Menschen, die Bayern bewegen.
00:00:36: Herzlich willkommen zu unserem Podcast,
00:00:39: heute ganz getreu dem Motto „der Gärtner war’s.“.
00:00:43: Aber keine Sorge, wir haben heute keinen Krimi hier,
00:00:47: sondern eine Spritztour mit zwei tollen Gästen.
00:00:50: Ich bin Heike Zeller, und ich freue mich auf die heutige Folge
00:00:54: mit ganz viel Grünem Beruf heute wieder.
00:00:56: Es geht um die Gärtnerin und den Gärtner.
00:01:01: Und wer uns jetzt nur hört und nicht sieht, ein Hinweis:
00:01:05: Wir haben hier auch Sachen mitgebracht bekommen von unseren beiden Gästen.
00:01:08: Und wenn ihr Lust habt, die Sachen zu sehen und nicht nur beschrieben zu bekommen,
00:01:12: dann schaltet auf YouTube rein, auf „Land.Schafft.Bayern“,
00:01:15: dem Kanal des Landwirtschaftsministeriums.
00:01:17: Da findet ihr auch das Video zu unserem Podcast.
00:01:20: Aber jetzt zu unseren beiden Gästen.
00:01:22: Herzlich willkommen.
00:01:23: - Griaß di. - Hallo.
00:01:25: Sag doch mal, wer bist du, und was hast du uns mitgebracht?
00:01:29: Ich bin der Sebastian Lechner.
00:01:31: Ich komme aus Agatharied im Landkreis Miesbach.
00:01:35: Ich bin seit 2013 Landschaftsgärtner, habe also 2013 die Lehre angefangen,
00:01:43: bin 2016 fertig geworden, habe dann den Betrieb gewechselt,
00:01:45: war dann sieben Jahre in einem anderen Betrieb
00:01:47: und bin jetzt seit Februar in einem neuen Betrieb als Meister angestellt.
00:01:51: Ich habe mein liebstes Werkzeug mitgebracht, das ich habe,
00:01:56: weil ich eher der „grüne“ Gärtner bin.
00:01:59: Das ist meine „Rosenzwick“, also Rosenschere, mein Heiligtum.
00:02:05: Das kriegt eigentlich auch fast keiner.
00:02:06: Die ist schon sehr wichtig.
00:02:08: Die habe ich bei einem Acht-, Neun-Stunden-Tag
00:02:11: mindestens drei bis vier Stunden in der Hand.
00:02:13: Man zwickt ja immer irgendwo rum.
00:02:14: Wenn dir irgendwas nicht gefällt, zwickst du es halt einfach ab.
00:02:17: Die muss einfach in der Hand liegen und immer dabei sein.
00:02:20: Ja, es ist ein beruhigendes Gefühl, wenn du die in der Hosentasche hast.
00:02:24: Und wer bist du, und was hast du uns mitgebracht?
00:02:26: Ich bin die Maria Weingartner. Ich komme vom Chiemsee.
00:02:30: Ich habe Zierpflanzengärtnerin gelernt, bin 2016 mit der Ausbildung fertig geworden,
00:02:38: habe dann noch zwei Jahre im selben Betrieb weitergearbeitet in der Gärtnerei.
00:02:43: Dann bin ich genau wie Sebastian in Landshut auf die Meisterschule gegangen
00:02:49: und habe den Zierpflanzengärtnermeister gemacht.
00:02:52: Dann habe ich mir gedacht,
00:02:55: ich gehe noch ein bisschen in andere Fachrichtungen des Gärtnerberufs.
00:02:59: Ich war dann in einem GaLaBau-Betrieb und habe da in der Gartenpflege gearbeitet
00:03:04: und in einem kleinen Baumschul- und Staudenverkauf Erfahrungen gesammelt,
00:03:09: auch ganz viel über Pflanzen gelernt.
00:03:11: Und jetzt bin ich noch eine Etappe weitergegangen
00:03:14: und bin in einer Staudengärtnerei,
00:03:16: was auch wieder eine andere Fachrichtung im Gärtnerberuf ist,
00:03:19: und produziere ganz viele schöne Stauden.
00:03:22: Da bin ich gleich beim Thema: Mein Gegenstand ist eine Pflanze,
00:03:29: ein Ziest, eine ganz bienenfreundliche Pflanze, die ich sehr gerne mag.
00:03:35: Ich habe als Lieblings-„Gegenstand“ eine Pflanze gewählt,
00:03:40: was ein Lebewesen ist und kein Gegenstand,
00:03:42: weil das einfach mein täglich Brot ist.
00:03:44: Egal, in welcher Fachrichtung ich gearbeitet habe, es ist einfach das,
00:03:48: was meinen Beruf ausmacht und mich täglich begleitet
00:03:51: und mir täglich Freude macht.
00:03:53: Jetzt hast du vorhin gesagt, dass du auch ein „grüner“ Gärtner bist.
00:03:56: Du hättest ja auch gerne eine Pflanze mitgebracht.
00:03:59: Das hatten wir im Vorgespräch.
00:04:00: Gibt es außer dem „grünen“ Gärtner noch etwas anderes?
00:04:05: Erstens mal: Pflanzen kann man nie genug haben.
00:04:08: Am liebsten würde ich alles mit Pflanzen vollstellen.
00:04:11: Wir hatten auch hier die Diskussion, ob wir noch die Deko ändern, ja.
00:04:14: Ich war die letzten sieben Jahre in einem ganz kleinen Betrieb mit nur zwei Leuten.
00:04:21: Da hat man halt alles gemacht, von Terrassen bauen, Mauern bauen,
00:04:24: Pflastern, Pflanzen, Rasen, alles.
00:04:29: Und ich bin eher der „grüne“ Gärtner und jetzt in einer größeren Firma,
00:04:35: wo es spezialisierte Leute gibt für die Pflege oder den Bau.
00:04:40: Ich wollte in die Pflege und bin jetzt im Bereich Privatgarten
00:04:44: und mache da alles schön, so dass es der Kundschaft gefällt.
00:04:47: Das ist das, was ich möchte. Das gefällt mir richtig.
00:04:52: Sehr gut. Jetzt haben wir schon einige Fachrichtungen genannt,
00:04:56: die ihr auf eurem Weg durchlaufen habt
00:04:59: innerhalb des Gärtnerberufs oder Gartenbaus.
00:05:04: GaLaBau wurde auch schon gesagt. Was heißt denn GaLaBau?
00:05:07: Hat das mit einer Gala zu tun?
00:05:08: GaLaBau ist meine Fachrichtung.
00:05:11: Ich habe den Garten- und Landschaftsbau-Meister gemacht.
00:05:14: Das ist eine sehr große Fachrichtung unter den sieben Fachrichtungen,
00:05:18: die es im Gärtnerberuf gibt.
00:05:21: Der Garten- und Landschaftsbau bezieht sich darauf:
00:05:25: Wenn du ein Haus baust und du brauchst einen neuen Garten,
00:05:30: von Terrasse, Mauer, bis all das, was ich vorhin schon sagte,
00:05:33: macht das der Landschaftsgärtner.
00:05:35: Also der kreiert dir deinen Garten nach deinen Vorstellungen und Wünschen.
00:05:41: Und für das braucht man auch viele andere Fachrichtungen,
00:05:44: die alle ineinandergreifen.
00:05:46: Ich habe auch gelesen,
00:05:48: es gibt einen Friedhofsgärtner oder eine Friedhofsgärtnerin als Ausbildungsberuf.
00:05:52: Ja, das sind die Gärtner, die, wie der Name schon sagt,
00:05:57: auf dem Friedhof unterwegs sind.
00:05:59: Das gibt es Dauerkundschaften, die wollen, dass ihre Gräber immer schön ausschauen,
00:06:05: es aber selbst nicht schaffen oder können.
00:06:07: Da macht der Friedhofsgärtner die Gräber schön,
00:06:11: pflanzt nach, zupft aus und schaut, dass alles sehr ansehnlich ist.
00:06:17: Pflegen aber oft auch die Anlagen und produzieren z. T. auch die Pflanzen,
00:06:23: die dann auf die Gräber kommen.
00:06:26: Das sind dann wahrscheinlich Zierpflanzen, was du auch gelernt hast.
00:06:29: Genau. Produktion ist auch eine Richtung im Zierpflanzenbereich.
00:06:36: Bei Zierpflanzengärtner gibt es auch wieder zwei Sparten.
00:06:39: Das wird jetzt ein bisschen kompliziert.
00:06:41: Es gibt die Schwerpunkte „Produktion“ und „Beraten und Verkaufen“.
00:06:46: Aber hat beide Inhalte in der Ausbildung.
00:06:51: Also Zierpflanzengärtner ist quasi die klassische Gärtnerei,
00:07:00: wo man alles kriegt.
00:07:01: Oft ist noch Floristik mit dabei, wo man Sträuße usw. bekommt.
00:07:04: Man kriegt Gemüsekräuterpflänzchen, einen Zitronenbaum,
00:07:09: vielleicht ein kleines Gehölzsortiment, aber eben auch die klassischen Balkonblumen
00:07:14: und saisonale Bepflanzungen, Stiefmütterchen fürs Grab
00:07:17: und Herbstbepflanzung.
00:07:19: Das ist so die klassische Zierpflanzengärtnerei.
00:07:22: Da gibt es aber auch ganz unterschiedliche. Kein Betrieb ist gleich.
00:07:25: Das ist das, was ich gelernt habe.
00:07:28: Und noch zur Erklärung der Staudengärtnerei.
00:07:31: Das ist oft ein schwieriger Unterschied, den viele Leute nicht kennen.
00:07:36: Stauden sind krautige, mehrjährige Pflanzen,
00:07:41: die über den Winter kommen. Viele ziehen dann ein.
00:07:44: Im Winter oder im Frühjahr schneidet man sie dann weg.
00:07:48: Sie frieren dann quasi zurück.
00:07:50: Dann treiben sie im Frühjahr aus dem Boden frisch aus.
00:07:52: Das sind mehrjährige Stauden, die über den Winter überdauern können.
00:07:57: Beim Strauch und beim Baum sind wir dann in der Baumschule.
00:08:00: Das ist wieder eine eigene Fachrichtung.
00:08:02: Da geht es um Gehölze und verholzte Sachen,
00:08:06: die im Winter ihre Blätter verlieren, wenn sie nicht immergrün sind.
00:08:12: Da ist die Produktion auch wieder etwas anders.
00:08:16: Man ist draußen, oft auch auf dem Feld.
00:08:19: Es ist auch nochmal eine andere, spezielle Fachrichtung mit ganz viel Fachwissen.
00:08:23: Und in der Baumschule werden die Pflanzen auf ihr nächstes Leben vorbereitet
00:08:28: und immer wieder verschult, also verpflanzt,
00:08:32: damit sie auch in so einer großen Größe bei der Kundschaft anwächst,
00:08:35: die so einen großen Baum möchte und nicht warten kann.
00:08:41: Aber sagt man nicht immer „Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“?
00:08:44: Also dass man sagt, je älter, desto schwieriger.
00:08:46: Aber wenn man sie vorher immer schon umschult oder wie das heißt…
00:08:48: Dafür gibt es die Baumschulen.
00:08:50: Das Verschulen bedeutet auch, dass die Wurzelballen regelmäßig gestochen werden,
00:08:55: damit die Feinwurzeln möglichst nah am Ballen bleiben.
00:08:59: Wenn man jetzt einen alten Baum verpflanzen wollen würde,
00:09:04: dann haut das nicht so gut hin.
00:09:06: Man muss sich vorstellen: Was bei einem Baum oben ist, ist unten auch.
00:09:09: Darum würde man ihm unten ganz viel nehmen, wo er vielleicht in die Breite geht,
00:09:13: wenn es ein Flachwurzler ist.
00:09:15: In Baumschulen wird eben verschult.
00:09:18: Das ist der Fachbegriff, dass sie verpflanzt werden
00:09:21: und dabei auch der Ballen umstochen wird.
00:09:23: Ich glaube, du hast vorhin auch die Produktionsgärtnerei angesprochen.
00:09:29: Da habe ich auch noch weitere Schwerpunkte gefunden.
00:09:32: Es gibt z. B. auch noch Obst und Gemüse.
00:09:35: Das sind auch noch Fachrichtungen bzw. Schwerpunkte, oder?
00:09:37: Genau, das sind auch nochmal zwei Fachrichtungen.
00:09:40: Also Ausbildungsberuf Gärtner mit Fachrichtung Gemüsebau oder Obstbau.
00:09:45: Gemüsebau ist wahrscheinlich für jeden ganz gut verständlich.
00:09:50: Die produzieren das Gemüse, das es bei uns zu kaufen gibt.
00:09:54: Das gibt es als Bio und konventionell,
00:09:59: also alles, was bei uns im Gemüsebereich wachsen kann.
00:10:03: Obstbau ist eine relativ kleine Nische,
00:10:07: aber durchaus sehr wertvoll und wichtig für jeden von uns.
00:10:11: Die pflanzen und veredeln Bäume, pflegen und hegen ihre Obstplantagen
00:10:20: und produzieren wertvolle Nahrung für uns.
00:10:25: Das sind auch ganz wichtige Berufe und die muss man sehr schätzen.
00:10:32: Dass sie so klein sind, hätte ich gar nicht gedacht.
00:10:33: Ich dachte, es gäbe viele Obstgärtner.
00:10:36: Also von der Ausbildungszahl her ist es nicht die größte Branche.
00:10:39: Da ist der GaLaBau momentan die stärkste Fachrichtung.
00:10:43: Super. Ich möchte jetzt zur Rubrik „Entweder oder“ kommen;
00:10:47: ein kleines Spiel bzw. eine Fragerunde.
00:10:50: Ich fange bei dir an, Maria:
00:10:52: Market Gardening oder Vertical Farming, wenn ihr wisst was das ist.
00:10:55: Weißt du es denn?
00:10:57: Ich versuche es mal, kurz zu erklären.
00:11:00: Bei Market Gardening – und das ist jetzt schon meine Antwort – bin ich eher dabei.
00:11:08: Das heißt, dass man auf kleinerer Fläche meist möglichst viel Gemüse anbaut
00:11:17: und mehr mit der Hand arbeitet.
00:11:20: Wo man nicht mehr mit Maschinen hineinfährt,
00:11:22: weil die Abstände zwischen den Pflanzreihen oft geringer sind,
00:11:25: wo man die Böden schont und Wasser spart,
00:11:29: weil die Pflanzen dichter stehen und weniger Unkraut aufkommt.
00:11:32: Dieses System gibt es auch oft in Gemeinschaftsgärten.
00:11:35: Ich betreibe das so in meinem privaten Gemüsegarten,
00:11:41: aber da hat man eben auch nur diese Fläche zur Verfügung.
00:11:45: Es ist einfach auch ein ressourcensparendes Gärtnern.
00:11:49: Und Vertical Farming ist auch eine gute Sache.
00:11:55: Es bedeutet, dass man auf mehreren Ebenen produziert.
00:11:59: Das hat oft auch mit künstlicher Beleuchtung zu tun.
00:12:02: Da Pflanzen ja Licht zum Wachsen brauchen und man auf zwei Ebenen produziert,
00:12:06: braucht ja die untere Ebene genauso viel Licht.
00:12:10: Da ist in diesem Sinne viel gesteuert.
00:12:14: In der Thematik bin ich nicht so drin, aber es ist platzsparend,
00:12:18: wo weite Flächen nicht gegeben sind.
00:12:22: Und man kann trotzdem auf weniger Fläche produzieren.
00:12:24: Es ist vor allem in Städten oder wo eben weniger Platz ist, eine Lösung.
00:12:28: Es ist nicht so ganz mein Thema.
00:12:31: Bei uns auf dem Land ist noch ein bisschen mehr Platz.
00:12:33: Beim Thema Vertical Farming, von dem immer gesagt wird,
00:12:38: es sei eine moderne Form der Landwirtschaft und des Gartenbaus,
00:12:42: habe ich vor Jahren mitbekommen, als das Thema aufkam,
00:12:46: dass denen oft das Gärtner-Know-how fehlt.
00:12:49: Gärtner wollen halt lieber draußen im Grünen mit den Pflanzen zu tun haben
00:12:53: und nicht in einer kontrollierten Indoor-Umgebung,
00:12:58: aber sie brauchen eben auch dringend das Wissen.
00:13:01: Auch ein Zukunftsding, wenn man in die Richtung gehen will.
00:13:04: Spannend. Was anderes auf jeden Fall.
00:13:06: Sebastian, Fassade begrünen oder Bäume pflanzen?
00:13:10: Hauptsache, irgendetwas gepflanzt, würde ich sagen.
00:13:14: Jede Pflanze ist gut.
00:13:16: In der Stadt bietet sich immer mehr die Fassadenbegrünung an.
00:13:21: Das ist ja cool: Du kann so in der Stadt einen Lebensraum schaffen für Vögel, Insekten usw.
00:13:27: Und draußen auf jeden Fall ein Baum.
00:13:30: Thuja oder Buche?
00:13:32: Ja, Buche. Buche ist heimisch.
00:13:37: Das ist einfach nur cool. Du steht da und denkst dir „woah!“.
00:13:42: Maria, Schreibtisch oder Schaufel?
00:13:46: Definitiv die Schaufel.
00:13:48: Ich habe erst gestern kurz am Schreibtisch gearbeitet.
00:13:52: Das hat ein bisschen gefuchst und ich habe zu meiner Chefin gesagt,
00:13:57: ich bewundere alle Menschen, die den ganzen Tag im Büro arbeiten können.
00:14:00: Ich könnte das nicht. Ich bin einfach gerne draußen.
00:14:04: Es ist auch mal schön, sich mit der Schaufel in der Hand auszupowern.
00:14:07: Musst du auch manchmal aufpassen, dass du deinen Körper nicht überanstrengst?
00:14:10: Oder passt das?
00:14:11: Das ist durchaus ein großes Thema.
00:14:14: Ich glaube, das betrifft jeden in der Gärtnerbranche,
00:14:17: jeden Betrieb und jeden Gärtner,
00:14:18: weil man eben nur einen Körper und eine Gesundheit hat.
00:14:22: Vieles, was wir machen, ist gut für unseren Körper.
00:14:25: Wir sind wirklich viel an der frischen Luft,
00:14:28: haben dadurch auch meist ein gutes Immunsystem.
00:14:31: Aber es ist auch oft ein rückenbetontes Arbeiten
00:14:36: und man muss echt auf Ergonomie achten.
00:14:38: Da kann man einiges machen,
00:14:40: auch sich durch richtige Kleidung zu schützen.
00:14:43: Hautschutz ist ein wichtiges Thema.
00:14:44: Besonders die großen Firmen schauen da schon,
00:14:47: dass sie ihre Mitarbeiter lange gesund erhalten können.
00:14:50: Immer Bayern oder auch mal gerne Ausland?
00:14:52: Natürlich alles, was geht! Also überall.
00:14:56: Ich persönlich war ich nach meiner Lehre in Neuseeland zu Work and Travel
00:15:03: und habe dort zwei Monate als Landschaftsgärtner gearbeitet,
00:15:08: weil ich das so wollte.
00:15:10: Da war dann doch die Sprache ein bisschen das Problem.
00:15:14: Es war eine spannende Erfahrung, sauspannend.
00:15:18: Aber mir gefällt es daheim schon besser.
00:15:21: Maria hat ja gesagt, dass ihr als Gärtner auf der ganzen Welt arbeiten könnt.
00:15:26: Es gibt auch bei Interesse oder für Ausbildungen im Ausland Möglichkeiten
00:15:33: über das Erasmus-Programm (heute Erasmus+). Das ist eine (EU-) Fördermöglichkeit.
00:15:39: Das sind spannende Erfahrungen, die man sein Leben lang mitnimmt.
00:15:42: Ihr habt ja zuerst eure Ausbildungen gemacht,
00:15:44: dann die Fortbildungen zu Meisterin und Meister.
00:15:47: Es gibt auch noch einen Werker, habe ich gehört. Was ist das genau?
00:15:51: Die Werkerausbildung ist ein bisschen vereinfacht,
00:15:55: also nicht die Vollausbildung zum Gärtnergesellen.
00:16:02: Eine Werkerausbildung gibt es nicht in allen Berufen, aber in vielen handwerklichen Berufen
00:16:08: und eben auch zum Gärtner.
00:16:11: Da sind die Standards etwas vereinfacht.
00:16:15: Aber sie müssen ihr Handwerk genauso lernen wie der normale Gärtner.
00:16:20: Sie haben vielleicht öfters Lernschwierigkeiten in der Theorie,
00:16:25: sind aber praktisch wahnsinnig gut und haben ihre Stärken und Schwächen.
00:16:30: Das wird dabei berücksichtigt.
00:16:33: Sie haben ein Erfolgserlebnis, wenn sie es abschließen können
00:16:37: und haben auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt,
00:16:40: in vollarbeitende Betriebe einzusteigen
00:16:45: und sind dort auch ganz wertvolle Kräfte im Gartenbau.
00:16:49: Wenn ich es richtig verstehe,
00:16:51: kann man im Gärtnerberuf ja auch mit mehr oder weniger Menschen zu tun haben.
00:16:55: In der Produktion habe ich meine Kollegen, Chefs oder Mitarbeiter.
00:17:00: Aber ansonsten habt ihr ja auch viel mit Kunden zu tun,
00:17:03: also im Verkauf oder wenn man die Gartenträume verwirklichen soll
00:17:08: und erst mal verstehen muss, was der Traum überhaupt ist.
00:17:11: Es ist spannend, weil jeder Kunde anders ist.
00:17:18: In meiner Sparte mach ich die Dienstleistung und will dem Kunden erfüllen,
00:17:25: was er möchte und dass das, was auf dem Plan steht, auch so umgesetzt wird.
00:17:31: Und wenn der Kunde sagt „Können wir das doch noch anders machen?“,
00:17:33: dann tust du natürlich dein Bestes, um das zu zusammenzubringen.
00:17:36: Das heißt nicht, dass jeder Kunde einfach ist.
00:17:38: Aber dafür sind wir Gärtner und Profis, damit umgehen zu können.
00:17:44: Und das funktioniert immer.
00:17:45: Beratung ist in einer Gärtnerei auch immer ein wichtiger Baustein.
00:17:51: Das kann einem aber auch viel Erfüllung geben kann,
00:17:56: wenn man Kunden hat, mit denen man sich super versteht.
00:18:00: Das Gefühl, jemandem weitergeholfen und zur richtigen Pflanze verholfen zu haben
00:18:06: und wenn man dann am Kassentisch die Pflanzen übergibt
00:18:10: und den Kunden mit der Schachtel „heimwackeln“ sieht, freut einen selbst so,
00:18:16: weil man weiß, dass die Pflanze, die man produziert, gehegt und gepflegt hat,
00:18:20: kriegt jetzt ein schönes Zuhause. Das kann einem selbst ganz viel Erfüllung geben.
00:18:25: Das ist doch was Tolles: Man hat mit den Pflanzen zu tun,
00:18:27: man ist draußen im Grünen und dann auch noch Leute,
00:18:30: das ist doch eine feine Geschichte.
00:18:32: Wir hatten jetzt schon einiges: Den Werker, den Gärtnergesellen,
00:18:38: den Meister, die Meisterin, den Techniker gibt es noch.
00:18:41: Ich lese hier noch den Fachagrarwirt, Bachelor/Master.
00:18:45: Lehrer kann man werden, den Doktor kann man machen.
00:18:47: Wo kann man sich denn eigentlich dazu erkundigen?
00:18:50: Wo ist eine Anlaufstelle?
00:18:51: Gute Adressen und Wegweiser findet man beim
00:18:54: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, wo der Gartenbau dazugehört.
00:18:59: Auf jeder Berufsbildungsmesse gibt es Vertreter, wo man Informationen sammeln kann.
00:19:06: Dann gibt es eine gute Internetseite, die ich ansprechend finde: „Gärtner. Der Zukunft gewachsen.“.
00:19:15: Das ist schön formuliert, weil das echt so ist.
00:19:18: Und natürlich auch in den Betrieben.
00:19:21: Einfach mal hinfahren und mit den Leuten reden.
00:19:25: Das bringt auch viel.
00:19:27: Man könnte auch bei Schulen anrufen.
00:19:33: Da sitzen nur Profis. Da bist du schon an der richtigen Adresse.
00:19:37: Das heißt, man hat eigentlich alle möglichen Fortbildungsmöglichkeiten.
00:19:41: Was ich auch cool fand: Maria, du machst es schon
00:19:45: und Sebastian, du machst es bald,
00:19:47: dass ihr so ein bisschen die Seiten gewechselt habt.
00:19:51: Ihr werdet selbst bald Prüflinge euch gegenüber haben.
00:19:53: Was ist denn da los?
00:19:55: Als Meister darfst du ja Prüfer sein.
00:19:59: Ich habe von einigen aus meiner alten Meisterschulklasse mitgekriegt,
00:20:05: dass sie Prüfer machen, wie Maria ja auch schon.
00:20:09: Da habe ich mich informiert und gefragt, ob ich da mal reinschnuppern darf.
00:20:12: Und nächste Woche darf ich als Prüfer dabei sein
00:20:16: und mir anschauen, ob das etwas für mich ist.
00:20:18: Es hört sich auf alle Fälle sehr spannend an.
00:20:21: Ich bin auch schon richtig aufgeregt.
00:20:23: Ich kann das bestätigen. Das ist sehr spannend.
00:20:27: Ich darf das jetzt schon seit eineinhalb Jahren machen
00:20:30: und durfte schon ein paar Prüfungen als Prüfer auf der anderen Seite des Tisches miterleben.
00:20:35: Ich kann das noch so gut nachfühlen, weil es sich für mich noch so anfühlt,
00:20:38: als wäre ich erst gestern noch auf der anderen Seite gesessen.
00:20:41: Also ihr nehmt auch Prüfungen ab, aber das wird nicht das Tagesgeschäft sein.
00:20:45: Vielleicht könnt ihr kurz beschreiben, wie ein typischer Tag bei euch ausschaut?
00:20:48: Die Firma, in der ich jetzt bin, ist sehr digital unterwegs.
00:20:53: Ich habe eine Handy-App, auf der ich am Tag vorher schon sehe,
00:20:55: wo ich am nächsten Tag sein werde. Ich kann mich darauf einstellen.
00:20:58: Ich sehe, mit welchen Leuten ich unterwegs und bei welcher Kundschaft ich bin.
00:21:01: Dann stehen vielleicht Arbeitsaufträge drin.
00:21:05: Da kann ich mich auf meinem 20-minütigen Arbeitsweg
00:21:07: schon gedanklich darauf vorbereiten, was ich alles brauche.
00:21:10: Also ihr fahrt erst mal alle in die Firma…
00:21:11: Ins Lager, ja.
00:21:12: …und dann holt ihr die Sachen, die ihr für den Tag braucht?
00:21:14: Genau. Dann fahren wir zur Kundschaft oder auf die Baustelle.
00:21:20: Ich bin ja jetzt in der Pflege, also zu den Privatkundschaften.
00:21:24: Dann ziehen wir den Tag durch und haben unseren Spaß dabei.
00:21:29: Und dann kommt es drauf an, ob wir fertig werden müssen oder nicht.
00:21:34: So variiert die Tageslänge.
00:21:38: Dann fahren wir wieder heim und wenn es ein guter Tag war
00:21:40: und wir auch Spaß hatten, trinken wir vielleicht noch ein Feierabendbier
00:21:42: und quatschen noch ein bisschen.
00:21:44: Und dann fahre ich wieder heim.
00:21:46: Und dann denke ich mir daheim „Woah, war das ein cooler Tag!“.
00:21:49: Maria, trinkst du auch ein Feierabendbier?
00:21:52: In der Gärtnerei, in der ich jetzt bin, haben wir ein ähnliches Ritual,
00:21:56: aber das ist im Tag integriert, aber ich fange mal vorne an.
00:22:00: Ich habe das Glück, nicht so einen weiten Arbeitsweg zu haben,
00:22:05: weil ich in die Nähe zur Gärtnerei gezogen bin.
00:22:07: Da gibt’s bei uns auch immer erst eine kurze Arbeitsbesprechung.
00:22:10: Jeder ist schon ein bisschen eingeteilt, aber man kann noch sagen, was einem wichtig ist.
00:22:15: Aber es wird in der Regel von der Chefetage eingeteilt, wer was macht.
00:22:19: Meistens ist man bei uns zu zweit im Team.
00:22:22: Nicht jeder Tag ist gleich.
00:22:26: Bei der Staudengärtnerei ist oft ein Baustein die Pflege,
00:22:30: also dass man die Quartiere, wo die Pflanzen stehen,
00:22:33: vom Unkraut befreit oder zurückschneidet, was verblüht ist, wenn es wieder frisch austreiben soll.
00:22:40: So etwas kann sein, dass man es einen halben oder ganzen Tag macht.
00:22:44: Eine typische Arbeit könnte auch sein, dass man vermehrt.
00:22:48: Das könnte Aussaat sein, das könnten Stecklinge sein oder Teilung.
00:22:54: Was man auch oft macht, ist Topfen.
00:22:56: Also pikierte, vereinzelte und durchwurzelte Jungpflanzen kommen dann in ihre Töpfe.
00:23:02: Das ist quasi ihr Endpunkt bei uns.
00:23:05: Das ist auch eine typische Arbeit.
00:23:08: Da steht man am Topftisch und topft seine einzelnen Pflanzen
00:23:11: und verfährt sie an ihren Standort, wo sie in ihrem Quartier wieder ihre Heimat haben,
00:23:19: also an ihren Platz, wo sie hingehören.
00:23:21: So etwas könnte ein typischer Tag sein.
00:23:25: Manchmal sind es verschiedene Arbeiten, manchmal macht man den ganzen Tag das Gleiche.
00:23:28: Zwischendurch hat man natürlich immer Kunden, die nach Hilfe fragen
00:23:31: oder man ist mal an der Kasse.
00:23:34: Das ist immer gemischt und vielseitig.
00:23:38: Und pünktlich um halb elf kommt das Ritual, die Kaffeepause.
00:23:44: Da gibt es auch eine Keksdose, die auch ganz wichtig ist.
00:23:48: Das gibt dann immer einen Motivationsschub
00:23:52: und man kann sich mit den Kollegen austauschen.
00:23:57: Mein Abendritual ist meistens, dass ich mir überlege,
00:24:02: wer heute mein Lieblingskunde war.
00:24:04: Ich versuche immer an etwas Positives zu denken, was heute besonders schön war.
00:24:09: Das kann auch sein,
00:24:12: dass man z. B. eine neue Blüte entdeckt hat, die aufgegangen ist.
00:24:14: Ich bin auch total fasziniert, was alles um einen herum passiert.
00:24:22: Dadurch, dass ich mit so vielen verschiedenen Pflanzen in Kontakt komme,
00:24:25: die ich auch noch nicht alle kenne, fällt einem jeden Tag etwas Neues auf
00:24:29: und man denkt sich „Das ist so schön,
00:24:31: welche Kunstwerke und Wunder die Natur vollbringen kann.“.
00:24:36: Pflanzen können einen echt voll begeistern.
00:24:39: Wir reden ja hier auch über die Ausbildung.
00:24:41: Ich finde es interessant, wenn man sich durchliest,
00:24:45: was Leute von ihrer Ausbildung oder ihrem Beruf wollen –
00:24:49: vielleicht geht es euch da draußen auch so – wird oft genannt,
00:24:52: dass der Beruf einen Sinn und Mehrwert für die Gesellschaft mit sich bringen soll.
00:24:57: Ist euch das auch wichtig im Beruf?
00:25:01: Ja. Also, ich spreche für mich persönlich,
00:25:04: aber das trifft vielleicht auch auf viele andere Gärtner zu.
00:25:07: Man merkt schon bei ganz vielen, die sich für den Gärtnerberuf entscheiden,
00:25:11: dass sie das mit Herzblut machen.
00:25:13: Gärtner ist man eigentlich echt irgendwie im Herzen.
00:25:18: Was ganz spannend ist, was gerade in der Branche auch passiert, ist,
00:25:22: dass das ganz viele über eine zweite Ausbildung
00:25:25: bzw. später neu in den Beruf einsteigen oder quereinsteigen.
00:25:29: Es gibt einfach so viel zurück und man entdeckt so viele Wunder.
00:25:33: Ich kann es nur immer wieder sagen.
00:25:34: Es ist so cool, wenn du mit Naturmaterialien arbeiten kannst.
00:25:38: Und was mir auch immer saugut gefällt, ist, wenn du in der Pflege bei Kunden bist
00:25:45: und die dann rauskommen und sagen „Boah, ist das schön! Das ist so cool.
00:25:51: Da freue ich mich, wenn ich dasitze und meine Bäume anschaue.“
00:25:55: Das macht mich auch stolz.
00:25:58: Wie viel Zukunft steckt in eurem Beruf?
00:26:00: Ich fange mal mit der Produktion an.
00:26:03: Es gibt ja die ganz wesentlichen Ernährungsproduzenten,die ganz wichtig sind.
00:26:12: Es ist auch wichtig, dass da noch ganz viel bei uns regional erhalten bleibt.
00:26:17: Es ist ein Beruf, der eine ganz große grüne Zukunft mit sich bringt,
00:26:21: auch für das Klima und die ganze Welt wichtig ist.
00:26:26: An jedem Punkt auf der Welt sind Gärtner ein ganz wichtiger Baustein – auch bei uns.
00:26:31: Da muss man nur im öffentlichen Bereich an die immer größer werdenden Städte denken.
00:26:36: Die Städteplaner planen immer mehr Grüninseln und Pflanzen in den Städten,
00:26:42: damit dort die Temperatur kühler wird.
00:26:46: Was natürlich auch noch dazukommt, ist die Biodiversität,
00:26:50: auch dass man vermehrt ökologisch wertvolle Pflanzen unterbringt.
00:26:56: Das nimmt auch immer mehr an Bedeutung zu, dass man wieder mehr auf heimische Pflanzen setzt,
00:27:03: die auch einen großen Nutzen hat für Insekten, Hummeln, Bienen, Schmetterlinge usw.
00:27:09: und ihnen einen Lebensraum bieten.
00:27:12: Ihr seid so begeistert von eurem Beruf,
00:27:14: aber gibt es auch Sachen, die euch stören?
00:27:15: Landschaftsgärtner ist ein Saisonberuf und zu den Pflanzzeiten in Frühjahr und Herbst
00:27:25: hat man halt lange Tage und Arbeitszeiten.
00:27:28: Das muss man schon wissen, wenn man das anfangen möchte.
00:27:32: Mir persönlich macht das nichts aus, weil ich einfach meine Arbeit so gerne mache.
00:27:36: Was ab und zu blöd sein kann, ist, dass du bei jedem Wetter draußen bist.
00:27:45: Das kannst du positiv oder negativ sehen.
00:27:47: Du bist bei der brutalen Hitze und beim Regen draußen.
00:27:51: Das ist Ansichtssache.
00:27:54: Jetzt kommen wir noch zum Spiel „Vervollständigt bitte diese Sätze“.
00:27:58: Gartenbau ist für Quereinsteiger…
00:28:01: …auch ein brutal gutes Sprungbrett.
00:28:04: Zum Beispiel, habe ich seit zwei Wochen einen neuen Arbeitskollegen,
00:28:12: der 20 Jahre lang Bänker war.
00:28:14: Und nach 20 Jahren in der Bank hast du eine gute Stellung,
00:28:18: aber er hat sich gedacht „Jetzt will ich Landschaftsgärtner werden.“
00:28:22: und schaut sich das jetzt mal an.
00:28:23: Du kannst ja in so viele Berufe quereinsteigen.
00:28:27: Wenn es dich erfüllt und glücklich macht, dann mach es doch.
00:28:30: Das ist doch richtig cool.
00:28:31: Maria, Gartenbau eignet sich für alle, die…
00:28:34: …die einfach Freude an der Natur haben und diese Freude ins Herz lassen wollen.
00:28:43: Mein lustigstes Erlebnis in der Ausbildung war…
00:28:47: Ich habe einmal in der Ausbildung eine ziemlich nasse Woche erwischt.
00:28:52: An Tag eins hat es in der Früh ziemlich geschüttet
00:28:55: und vor der Arbeit war ein großes Schlagloch.
00:28:59: Ich konnte einem Auto nicht mehr ausweichen
00:29:02: und war schon um 7 Uhr früh bis zur Hüfte pitschnass,
00:29:05: nachdem das Auto durch das Schlagloch gefahren war.
00:29:09: Das war am Montag und ich dachte mir „Was wird das wohl für eine Woche?“.
00:29:15: Dann kam Tag zwei. Das war es sehr warm
00:29:18: und ich habe viel mit dem Gartenschlauch gegossen.
00:29:21: Wenn es so warm ist, dehnt sich das oft aus und es kann passieren, dass da ein Loch entsteht.
00:29:29: Das war an einer blöden Stelle ganz vorne am Schlauch
00:29:32: und dann war ich irgendwie wieder ziemlich nass.
00:29:35: Halb so schlimm, es war ja warm.
00:29:37: Dann kam Tag drei, und damit hat die Serie dann Gott sei Dank geendet.
00:29:42: Da hat es wieder geregnet und meine Kollegin hatte ein paar Tage vorher
00:29:47: dankenswerterweise alle Regenjacken gewaschen
00:29:51: und auf Kleiderbügel gehängt. Ich schlüpfe in die Jacke,
00:29:55: ziehe die Kapuze auf und in der Kapuze stand noch Wasser.
00:29:59: Dann ist mir alles den Nacken runtergelaufen.
00:30:01: Ich habe mir gedacht „Irgendwas stimmt diese Woche nicht.“.
00:30:05: Sehr gut. Da weiß man wieder, den Fehler macht man nur einmal.
00:30:08: Sebastian, dein peinlichstes Erlebnis in der Ausbildung?
00:30:12: Peinlich ist bei mir öfter mal die Sprachbarriere,
00:30:18: weil mein Hochdeutsch einfach schlecht bzw. nicht vorhanden ist.
00:30:24: Und viele Kunden in meiner jetzigen und vorherigen Firma
00:30:28: kommen nicht ursprünglich aus Bayern.
00:30:31: Durch einen lustigen Zufall war ich dann mal mit einer Kundin per du,
00:30:34: weil sie ganz etwas anderes verstanden hat.
00:30:36: Ich hatte gar nicht gesagt, ob wir per du sein wollen.
00:30:38: Aber sie hat dann gesagt „Ach hallo, ja, ich bin die…“.
00:30:40: Ja gut, dann sind wir jetzt per du. Es ist immer etwas schwierig mit der Sprache.
00:30:48: Maria, dein peinlichstes Erlebnis?
00:30:50: Ähm, es ist durchaus etwas peinlich, aber ich kann gut darüber
00:30:56: und über mich selbst lachen.
00:30:58: Bei der Gartenpflege musste ich einmal in einen Keller, um das Wasser zum Gießen aufzudrehen.
00:31:08: Dann habe ich fälschlicherweise die Tür zum Treppenhaus nicht mehr aufgekriegt
00:31:13: und voll die Panik entwickelt. Jetzt bin ich hier eingesperrt.
00:31:18: Mein Kollege war ganz woanders und hat meine Hilferufe nicht gehört.
00:31:23: Dann bin ich nochmal zurück in den Keller und habe ein winzig kleines Kellerfenster entdeckt,
00:31:29: mir dann noch eine Leiter organisiert und bin durch das Fenster
00:31:32: und einen Lichtschacht senkrecht hochgeklettert.
00:31:36: Letztendlich stellte sich heraus, dass ich an der Tür ziehen und drücken verwechselt habe.
00:31:43: Sehr schön. Sebastian, DER Grund für eine Ausbildung im Gartenbau ist…
00:31:47: Da gibt es so viele. Es ist einfach so ein cooler Beruf.
00:31:52: Du kannst dich entfalten. Wenn du, wie wir beide, gerne Pflanzen magst,
00:31:56: dann geht’s du genau in diese Richtung.
00:31:58: Wenn du dich spezialisieren willst, dann spezialisierst du dich.
00:32:00: Wenn du etwas anderes machen möchtest, machst du etwas anderes.
00:32:03: Du kannst Holzterrassen bauen, dann hast du mehr mit Holz zu tun.
00:32:09: Es ist so vielfältig und wenn du das gerne tust, ist das einfach nur schön.
00:32:15: Du kannst Lebensräume schaffen. Du kannst private Wohlfühloasen schaffen.
00:32:20: Also man sieht, was man tut.
00:32:22: Nicht wie in einem Bürojob, in dem man denkt „Was habe ich heute eigentlich gemacht?“.
00:32:25: Maria, was ist für dich DER Grund für die Ausbildung zur Gärtnerin?
00:32:29: Es ist einfach ein wunderschöner Beruf, in dem man ganz viel Erfüllung
00:32:36: und ganz viele Wunder jeden Tag aufs Neue entdecken kann.
00:32:43: Man kann seinen Blick und seine Sinne auf manche Dinge schärfen,
00:32:47: was man in seinem hektischen Umfeld normalerweise oft gar nicht mehr kann.
00:32:51: Das soll nicht heißen, dass es in einer Gärtnerei oder einem GaLaBau-Betrieb
00:32:54: nicht auch einmal stressig werden kann, weil man wirtschaftlich arbeitet,
00:32:58: anders als wenn man daheim durch seinen eigenen Garten schlendert.
00:33:01: Trotzdem kommt man da mit so vielen Wundern in Kontakt.
00:33:06: Das ist eigentlich für mich der Grund. Die Natur ist einfach voller Wunder,
00:33:09: und das lernt man als Gärtner sehr zu schätzen.
00:33:12: Man wird in dem Beruf schon sensibler gegenüber der Natur.
00:33:16: Das ist schon so, wie du gesagt hast.
00:33:19: Und wenn ihr, die uns zuschaut oder zuhört, auch Lust bekommen habt,
00:33:23: sensibel auf die Natur zu werden und jeden Tag die Wunder zu erleben,
00:33:30: durch das selbst Geschaffene durchzulaufen und die Pflanzen wachsen,
00:33:33: gedeihen und großwerden zu sehen,
00:33:36: dann informiert euch vielleicht mal für die Ausbildung zu Gärtnerin oder Gärtner.
00:33:40: Ihr habt gehört, es gibt alle möglichen Fachrichtungen und Ausbildungsstufen.
00:33:45: Schaut mal rein. Ihr habt vorhin gesagt,
00:33:48: man kann sich bei den Landwirtschaftsämtern informieren.
00:33:50: Man kann bei Firmen anklopfen.
00:33:56: Wir werden noch einiges in den Shownotes unter der Podcastfolge verlinken.
00:34:04: Da steht auch noch was dabei.
00:34:07: Ja, ihr beiden habt uns auch noch Lifehacks mitgebracht.
00:34:11: Maria, was hast du uns als ersten Lifehack mitgebracht?
00:34:13: Also ich starte mit dem Lifehack „standortgerechte Pflanzung“.
00:34:17: Das heißt, dass man seine Pflanzen danach auswählt, welchen Standort ich gerade bepflanzen möchte.
00:34:24: Man schaut, was habe ich für einen Boden,
00:34:27: welche Lichtverhältnisse, welche äußeren Einflüsse, wie Wind usw.
00:34:32: und wählt danach seine Pflanzen aus.
00:34:34: Dann hat man viel mehr Erfolg, als wenn man etwas in den Boden pflanzt,
00:34:37: das dort gar nicht wachsen mag.
00:34:38: Dass man sich den Gegebenheiten anpasst.
00:34:41: Genau, das wird manchmal vergessen.
00:34:44: Mein Lifehack ist: Viele Kunden fragen, nachdem ich Rasen, Stauden o. ä. angepflanzt habe
00:34:55: „Wie oft muss ich das denn jetzt gießen?“.
00:34:58: Da muss man den Finger in die Erde stecken und schauen, ob es feucht ist oder nicht.
00:35:02: Wenn es feucht ist, brauche ich nicht zu gießen und wenn es trocken ist, muss ich gießen.
00:35:07: Und wenn die Erde in Schollen aufreißt, ist es zu spät.
00:35:10: Also auch die Sinne benutzen, wie ihr vorhin schon gesagt habt.
00:35:13: Oder wenn irgendwas faulig riecht, wird das daran liegen,
00:35:16: dass zu viel Wasser darin ist.
00:35:18: Maria, dein zweiter Lifehack?
00:35:19: Als mein zweiter Lifehack ist der Lifehack „Kuchengabel“.
00:35:24: Ich nutze gerne eine Kuchengabel, um Töpfe von Moos und Unkraut zu befreien.
00:35:31: Das ist wie ein kleines Gartenwerkzeug.
00:35:34: Eine Kuchengabel hat man gut in der Hand.
00:35:37: Man kann damit auch gut Kakteen ausgrasen.
00:35:40: Da kommt auch manchmal Unkraut vor und so kann man sich ein bisschen schützen.
00:35:44: Das funktioniert mit einer Kuchengabel einwandfrei.
00:35:49: Sebastian, dein zweiter Lifehack?
00:35:50: Ja, auch interessant ist, dass man im Winter Gehölze draußen gießen sollte.
00:35:57: Wir hatten schon oft, dass im Frühjahr vor allem bei Immergrünen,
00:36:02: wie Kirschlorbeer, Eibe usw. Kunden sagen, dass die Blätter ganz braun sind.
00:36:09: Das ist die sogenannte Frosttrocknis.
00:36:12: Laubabwerfende Gehölze haben im Winter keine Blattmasse,
00:36:18: um zu transpirieren, also zur Verdunstung des Wassers.
00:36:21: Immergrüne haben das schon.
00:36:22: Darum wollen diese Photosynthese betreiben, wenn die Wintersonne scheint,
00:36:25: und dafür brauchen sie Wasser. Wenn der Boden gefroren oder trocken ist,
00:36:29: kann das nicht nachziehen und somit wird das Blatt braun.
00:36:34: Dann fragen wir die Kunden „Haben Sie denn im Winter gegossen?“
00:36:37: – „Nein, hätte ich das tun sollen? Im Winter liegt doch Schnee.“
00:36:40: Aber ein bisschen gießen musst du halt, dann bleiben die schön.
00:36:43: Das gibt es auch bei laubabwerfenden Gehölzen, aber oft hat man Probleme bei den immergrünen.
00:36:47: Jetzt haben wir voll die coolen Lifehacks von euch erfahren,
00:36:50: aber natürlich interessiert mich noch, was jetzt bei euch weitergeht.
00:36:54: Wohin geht die Reise noch als Gärtnerin und als Gärtner?
00:36:57: Ich habe schon vor, noch irgendwann mein eigenes Ding zu machen,
00:37:00: aber bin da noch an keinem Ziel
00:37:03: und fühle mich auch gerade ganz gut dort, wo ich bin.
00:37:07: Ich schaue mir gerne noch ein bisschen was an, wo ich mich gerade wohlfühle
00:37:11: und bin ja auch gerade so am Switchen der Fachrichtungen
00:37:14: und versuche das Meine zu finden.
00:37:16: Ich bleibe auf jeden Fall ganz fest im Gartenbau kleben.
00:37:20: Das ist einfach mein Beruf.
00:37:23: Ich bin selbst gespannt, was daraus wird.
00:37:26: Also mich selbstständig machen möchte ich nicht.
00:37:29: Ich bin einer, der immer neue Ziele braucht.
00:37:32: Ich stecke mir die Ziele nicht so hoch,
00:37:35: aber immer wieder kleine Ziele sind schon ganz cool.
00:37:38: Ich bin jetzt seit Februar in der neuen Firma,
00:37:43: was gerade meine Erfüllung ist.
00:37:45: Das nächste wäre dann, voll in die Ausbildung einzusteigen
00:37:49: und zu sehen, dass gute Gärtner nachkommen, egal ob junge oder ältere Quereinsteiger.
00:37:58: Und was danach kommt, weiß ich jetzt auch noch nicht.
00:38:01: Aber auf alle Fälle in meinem Beruf bleiben, weil der mein Leben ist.
00:38:04: Dann bleibt mir nur noch, mich ganz herzlich bei euch zu bedanken,
00:38:08: dass ihr gekommen seid.
00:38:10: Das ist ja auch nicht selbstverständlich, wenn man voll im Beruf steht
00:38:12: und sich so einen Tag „herausschneidet“ und hierherfährt.
00:38:15: Und liebe Zuschauerinnen, Zuschauer und Zuhörer und Zuhörerinnen,
00:38:21: das war’s schon wieder von unserem Podcast für dieses Mal.
00:38:23: Es gibt wieder eine nächste Folge mit einem nächsten grünen Beruf.
00:38:26: Was das sein wird, verraten wir natürlich noch nicht.
00:38:29: Aber wir freuen uns, wenn ihr wieder dabei seid.
00:38:31: Alle weiteren Informationen findet ihr,
00:38:33: wie immer und schon mehrfach angekündigt, in den Shownotes,
00:38:35: entweder unter dem Kästchen, in dem ihr uns seht auf YouTube
00:38:38: oder eben in den Shownotes von Spotify und Co., wo ihr uns anhört.
00:38:44: Kommt wieder vorbei bei Land.Schafft.Bayern. Bis dahin, ciao.
00:38:50: Outro: Land.Schafft.Bayern - Der Podcast
00:38:57: Eine Produktion des
00:38:59: Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
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