Dicke Maschinen und Hightech auf dem Acker - Grüne Berufe

Shownotes

Als Fachkraft Agrarservice bist du unverzichtbar, wenn es darum geht, die Lebensmittelversorgung mit regionalen Partnern nachhaltig zu sichern. Denn du kümmerst dich um den Anbau und die Pflege von Nutzpflanzen, bearbeitest Felder, säst aus und sorgst für die Ernte und korrekte Lagerung deiner Produkte. Dafür nutzt du modernste Technik und bedienst komplexe Maschinen wie Mähdrescher und Sämaschinen. Klar, dass du dein handwerkliches Geschick dafür nutzt, deine Geräte eigenhändig zu reparieren und zu warten!

Das Gespräch führt Heike Zeller

Unsere Gäste: Kai Findl und Lukas Krämer

Mehr Infos findest du hier: https://www.stmelf.bayern.de/bildung/agrarbereich/fachkraft-agrarservice/index.html

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Musik-Track: Good Luck Musik von www.fiftysounds.com/de/

Transkript anzeigen

00:00:00: Wenn du Bock hast, Maschinen zu fahren,

00:00:02: wenn du landtechnikbegeistert bist,

00:00:03: wenn du einfach brennst für Landwirtschaft und Natur.

00:00:08: Wir sind ja auch Kulturpfleger oder Kulturlandschaftserhalter.

00:00:11: Wir haben große Maschinen, viel Technik, viele kleine Bauteile,

00:00:14: die sich teilweise bewegen – da geht immer mal was kaputt.

00:00:17: Das Wichtige ist, dass man sich ein bisschen zu helfen weiß.

00:00:19: Wir sind nicht nur der Lohnunternehmer, der kommt,

00:00:21: sondern wir genießen in großen Teilen dieselbe Ausbildung wie ein Landwirt.

00:00:24: Als Fachkraft Agrarservice ist man das Bindeglied zwischen der Außen- und der Innenwirtschaft.

00:00:28: Der Beruf setzt nicht voraus, dass, wenn man mit der Ausbildung fertig ist,

00:00:31: man den Hof daheim übernimmt,

00:00:33: sondern in dem Unternehmen weiterarbeiten kann, wo man die Ausbildung gemacht hat.

00:00:38: Intro: Land.Schafft.Bayern – Der Podcast mit Menschen, die Bayern bewegen.

00:00:46: Herzlich willkommen zu unserem Podcast

00:00:48: aus dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus.

00:00:54: Heute geht es um einen "Grünen Beruf", in dem geht es um kurze Zeitfenster, Häckselketten,

00:01:00: dicke Schlappen und feine Düsen.

00:01:03: Also um Technik, Technik, Technik oder vielleicht auch um Team, Team, Team?

00:01:08: Das werden wir gleich klären.

00:01:10: Ich bin Heike Zeller und ich freue mich auf meine beiden heutigen Gäste.

00:01:14: Die beiden haben uns auch jeweils einen Gegenstand mitgebracht.

00:01:18: Also, wenn ihr uns gerade auf den Podcastportalen hört,

00:01:20: könnt ihr vielleicht auch auf YouTube rüberspringen

00:01:22: und da auch sehen, was sie uns mitgebracht haben.

00:01:26: Da habt ihr die Gelegenheit dazu auf „Land.Schafft.Bayern“.

00:01:30: Dann gehen wir doch mal rein.

00:01:32: Wer bist du, was machst du und was hast du uns da mitgebracht?

00:01:35: Ich bin der Kai Findl.

00:01:37: Ich habe vor vier Jahren meine Ausbildung als Fachkraft Agrarservice begonnen,

00:01:40: diese dann vor zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen

00:01:42: und jetzt neu meine Fortbildung als der Agrarservicemeister begonnen.

00:01:48: Mitgebracht habe ich uns heute einen 30er-Schlüssel.

00:01:51: Ich hätte ich aber genauso gut jede Größe vom 8er-, 10er-Schlüssel bis zum 50er-Schlüssel mitbringen können.

00:01:57: Also das ist ein Werkzeug hier auf dem Tisch, das ungefähr so groß wie mein Unterarm ist.

00:02:01: So ungefähr.

00:02:03: Aber bei den größeren Maschinen, die wir fahren,

00:02:05: ist das eine gängige Größe, die man eigentlich immer braucht.

00:02:08: Wir haben große Maschinen, viel Technik, viele kleine Bauteile, die sich teilweise bewegen.

00:02:13: Da geht immer etwas kaputt.

00:02:14: das Schöne bzw. das Wichtigste an unserem Beruf ist, dass man sich ein bisschen zu helfen weiß.

00:02:19: Und deswegen ist mein Gegenstand heute dieser Schlüssel.

00:02:22: Immer dabei. Sehr gut.

00:02:23: Und wer bist du, was machst du und was hast du uns mitgebracht?

00:02:26: Ich bin der Lukas Krämer, 29 Jahre alt und aus der Nähe von Würzburg.

00:02:30: Ich habe von 2018 bis 2020 meine Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice gemacht,

00:02:36: dann zwei Jahre im Betrieb gearbeitet, um Praxiserfahrung zu sammeln.

00:02:40: 2022 bis 2024 habe ich dann den Meisterkurs erfolgreich abgelegt.

00:02:44: Und ich habe heute zwei Gegenstände mitgebracht, die sehr voneinander abhängen:

00:02:48: zum einen mein Smartphone.

00:02:50: Es ist heutzutage unabdingbar, erreichbar zu sein,

00:02:54: flexibel reagieren zu können, die Wetter-App zu checken,

00:02:57: Auftragsannahme-/Auftragserledigungs-App zu bedienen zum Beispiel.

00:03:02: Und um dann das Arbeitsergebnis zu kontrollieren, ist es unablässig, immer einen Maßstab dabei zu haben.

00:03:07: Man kann damit alles kontrollieren.

00:03:10: Und deshalb habe ich gedacht, bring ich die beiden Gegenstände mit.

00:03:14: Spannend.

00:03:15: Also da sieht man digital und ganz richtig handfest miteinander.

00:03:19: Und auch dein Gegenstand ist ja auch was richtig Handfestes.

00:03:22: Sowohl optisch, als auch, was man damit tut.

00:03:24: Mich würde interessieren, wie ihr denn zu eurem Beruf gekommen seid?

00:03:27: Vielleicht erst mal Kai, kommst du aus der Landwirtschaft?

00:03:30: Nee, ich bin eigentlich ein kompletter Quereinsteiger.

00:03:33: Ich habe erst mein Abitur gemacht

00:03:35: und bis Anfang der 12. Klasse gar nicht gewusst, dass es den Beruf überhaupt gibt.

00:03:41: Ich war zwar mal bei einer Berufsberatung.

00:03:43: Die haben mir aber nur den Beruf als Landwirt vorgeschlagen

00:03:45: und haben diesen hier gar nicht genannt.

00:03:47: Und dann bin ich zufällig durch eine Arbeitskollegin meiner Mutter

00:03:51: an ein Praktikum bei meiner jetzigen Firma gekommen

00:03:54: und hatte so viel Spaß in der einen Woche,

00:03:57: dass ich direkt danach den Ausbildungsvertrag unterschrieben habe.

00:04:00: Und seitdem bin ich glücklich in dem Unternehmen.

00:04:02: Die guten Zufälle im Leben, oder?! Super.

00:04:05: Lukas, wie war das bei dir?

00:04:06: Es ging in der frühesten Kindheit schon los.

00:04:09: Mein drittes und viertes Wort waren „Kran“ und „Mähdrescher“.

00:04:14: Oh, war dann „Mama“ und „Papa“ wenigstens noch davor?

00:04:16: „Mama“ und „Papa“ waren noch davor.

00:04:18: Aber so hat sich dann eigentlich relativ schnell herauskristallisiert,

00:04:22: dass ich ein riesiges Interesse für Landwirtschaft und vor allem auch Landtechnik habe.

00:04:26: Ich habe dann als Kind immer Ausschau nach arbeitenden Landwirten gehalten,

00:04:31: bin mit dem Fahrrad hinterhergefahren, im Sommer auf den Mähdreschern mitgefahren.

00:04:35: Und dann irgendwann habe ich meinen T-Führerschein gemacht,

00:04:38: um natürlich dann auch mal die Hoffnung zu haben, helfen zu dürfen.

00:04:41: Ich bin dann sogar in den Sommerferien dreimal von einem Bekannten nach Sachsen gebracht worden,

00:04:46: weil ich noch keinen Autoführer schon hatte.

00:04:48: Dann richtig auf so einen großen Hof?

00:04:49: Ja, so ein 400-Hektar-Betrieb.

00:04:52: Also für Bayern schon ein größerer Betrieb.

00:04:55: Und wenn andere in Sommerurlaub geflogen sind, war ich lieber den Feldern in Sachsen unterwegs

00:04:59: und hatte mein bestes Leben.

00:05:01: Cool.

00:05:02: Nachdem ich auch das Abitur gemacht hatte, hat sich dann die Frage gestellt, etwas zu studieren.

00:05:09: Dann habe ich aber festgestellt, dass das Studium nichts für mich war.

00:05:13: Ich habe dann bei dem Lohnunternehmer gefragt, bei dem ich vorher schon gejobbt hatte,

00:05:17: ob er mich auch ausbilden würde,

00:05:19: da dieser selbst gerade mit seiner Agrarservicemeister fertig worden war.

00:05:22: Dann war ich somit der erste Absolvent der Fachkraft Agrarservicelehre bei uns im Betrieb,

00:05:27: der dort ausgebildet wurde.

00:05:29: Dann habe ich meinen Meister gemacht und jetzt bin ich hier.

00:05:32: Kai, was würdest du denn sagen, was ist wichtig,

00:05:34: was muss man mitbringen, wenn man in den Agrarservice möchte?

00:05:37: Zum einen muss man einfach ganz, ganz viel Spaß an der Arbeit mitbringen.

00:05:41: Es muss einem bewusst sein, dass bei uns die Tage ab und zu länger werden, vor allem in der Erntesaison.

00:05:48: Das lässt sich aber ganz gut überwinden, wenn man Spaß an der Arbeit hat.

00:05:53: Dann kommt es einem gar nicht mehr so lang vor,

00:05:55: wenn man mal doch ein paar Stunden mehr auf den Trecker sitzt.

00:05:57: Und was bei mir im Unternehmen ganz essentiell wichtig ist, ist das Team.

00:06:02: Die Teamfähigkeit muss passen.

00:06:05: Wenn man mit den Kollegen Spaß hat,

00:06:07: eventuell in der Früh zusammensitzt, einen Kaffee trinkt, abends noch zusammensitzt, ein Bier trinkt

00:06:12: oder sich auch außerhalb der Arbeit mal trifft, dann stärkt es einfach das Teamgefühl

00:06:17: und die Arbeit macht dadurch viel mehr Spaß.

00:06:20: Ja, spannend, was du sagst, weil ich in Vorbereitung auf unser Gespräch

00:06:23: auch verschiedene Lohnunternehmer gefragt habe: Was muss jemand im Agrarservice mitbringen?

00:06:29: Und es kam bei allen Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und auch Flexibilität.

00:06:33: Sind damit auch die langen Tage gemeint, die du angesprochen hast?

00:06:35: Also, der Feierabend ist nicht immer planbar. Das muss man sich vor Augen halten.

00:06:39: Es kann aber auch schön sein.

00:06:41: Man erlebt dadurch auch schöne Sonnenuntergänge oder auch mal schöne Sonnenaufgänge.

00:06:45: Das heißt, man kann also in der Arbeit auch das Schöne erleben, was du letztendlich auch gesagt hast.

00:06:49: Und wenn ich es richtig nachgelesen habe,

00:06:51: muss man mindestens einen Mittelschulabschluss haben, oder?

00:06:55: Also, weitergehende Qualifikationen braucht man vorher nicht.

00:06:58: Muss man den Führerschein schon haben?

00:07:00: Es ist keine Pflicht, aber viele Unternehmen setzen ihn schon voraus.

00:07:04: Es zeigt natürlich auch Bereitschaft zu dem Beruf,

00:07:08: wenn ich mich vorher schon eigenständig dementsprechend fortbilde

00:07:12: und die Fahrerlaubnis schon mitbringe.

00:07:15: Das macht mir als Beginner natürlich die Ausbildung auch einfacher,

00:07:20: weil ich gleich halt auch einen Traktor fahren darf.

00:07:22: Wenn ich die ersten drei Monate lang nur den Hof kehren soll,

00:07:25: weil ich noch nichts anderes darf, hat ja keiner was davon.

00:07:28: Wobei es ja auch mittlerweile Maschinen zum Hofkehren gibt.

00:07:30: Kai, du bist ja letztendlich auch durchs Ausprobieren draufgekommen.

00:07:33: Und wenn man dann zumindest schon mal einen Führerschein hat,

00:07:36: dann kennt man bereits einige Tätigkeiten, die dann auch später auszuführen sind, oder?

00:07:39: Ja, ich habe die meisten Tätigkeiten schon gekannt,

00:07:42: vor allem, weil ich am Computer Landwirtschafts- Simulator gespielt, als ich noch im Gymnasium war.

00:07:47: Es entspricht zwar nicht ganz der Realität, aber einige Abläufe kommen so doch ganz gut rüber.

00:07:53: Und ich bin auch wie der Lukas von klein auf bei jeder Gelegenheit dem nächsten Traktor hinterhergefahren.

00:08:00: Ich habe meine Eltern teilweise 24 Stunden nicht gesehen, weil ich überall dabei war.

00:08:03: Gibt Wichtigeres. - Ja.

00:08:06: Ist es bei euch auch so, dass ihr tagsüber auf dem richtigen Trecker hockt

00:08:09: und abends noch Farming-Simulator spielt?

00:08:12: Ich bekenne mich schuldig, ja.

00:08:14: Und du?

00:08:15: Nicht mehr viel, aber ab und zu.

00:08:17: Sehr gut, das finde ich witzig.

00:08:19: Ich habe noch nachgelesen, es gibt ja auch ein Berufsgrundschuljahr,

00:08:21: das gleich ist wie bei den Landwirten. Habt ihr das auch gemacht?

00:08:24: Also ich habe es gemacht.

00:08:26: Ich hätte es zwar nicht machen müssen, durch das Abitur.

00:08:29: Aber da ich eben keinen Hof daheim habe und nicht aus diesem Bereich gekommen bin,

00:08:33: habe ich mir gedacht, es schadet nicht.

00:08:35: Und es hat im Endeffekt auch wirklich nicht geschadet,

00:08:37: weil man sehr, sehr, sehr viele Grundlagen beigebracht bekommen hat.

00:08:40: Und gibt es dann da die eine Schule in Triesdorf oder kann man das überall in Bayern machen?

00:08:45: Nein, es gibt nur den Standort in Triesdorf.

00:08:47: Auch für ganz Süddeutschland ist Triesdorf der einzige Anlaufpunkt für Fachkraft Agrarservice.

00:08:52: Also auch aus Baden-Württemberg, vielleicht Südhessen, kommen alle zu uns.

00:08:55: Ja, auch aus Rheinland-Pfalz kommen sie alle zu uns.

00:08:56: Auch wenn Lohnunternehmen im bayerischen Grenzbereich zu Thüringen sind,

00:09:01: kommen dann auch manchmal die thüringischen Absolventen zu uns.

00:09:04: Das ist ja auch spannend, oder? Dann lernt man verschiedene Leute kennen.

00:09:07: Das ist ein Schmelztiegel. Also Triesdorf ist sehr zu empfehlen als Schulstandort.

00:09:10: Ja, vor allem bringen die ja dann auch verschiedene Hintergründe zu deren landwirtschaftlichen Betrieben mit.

00:09:15: Das ist ja auch teilweise regional sehr unterschiedlich. Das finde ich auch spannend.

00:09:19: Ja, ich habe nachgelesen, was es denn für verschiedene Wege zu diesem Beruf gibt?

00:09:23: Ihr beide seid dann erst Geselle Agrarservice gewesen bzw. seid ihr es ja immer noch.

00:09:27: Lukas, du bist ja auch noch Meister.

00:09:30: Kai, du bist auf dem Weg zum Meister.

00:09:32: Neben dem Meister kann man auch den Landwirtschaftsmeister machen.

00:09:37: Man kann auch die Technikerschule besuchen.

00:09:39: Fachagrarwirt habe ich auch noch gelesen.

00:09:44: Oder man könnte dann doch nochmal das Studium in irgendeiner Form machen.

00:09:47: Habt ihr euch solche Wege auch überlegt oder kennt ihr Leute, die sowas gemacht haben, Kai?

00:09:52: Also bei mir war die Überlegung, ob ich nicht auch den Techniker mache,

00:09:57: aber ich habe durch meinen Abschluss vom Bayerischen Staat ein Stipendium gekriegt,

00:10:02: weil ich nicht ganz schlecht abgeschlossen habe.

00:10:04: Er war der Beste. Das kann man vielleicht an der Stelle mal sagen.

00:10:06: Ja, und dieses Stipendium beläuft sich genau auf die Kosten des Meistertitels

00:10:12: und dann war die Entscheidung für mich klar.

00:10:13: Super.

00:10:15: Lukas, wie hast du dich dann für den Agrarservicemeister und nicht für die ganzen anderen Optionen entschieden?

00:10:19: Zum einen, weil ich es natürlich bei uns im Betrieb gesehen habe.

00:10:22: Mein Ausbilder hat auch seinen Agrarservicemeister gemacht

00:10:26: und da hat man natürlich auch immer mitbekommen,

00:10:28: was er gerade macht und was gerade das Thema in der Schule ist.

00:10:31: Natürlich haben wir uns auch drüber unterhalten, und er hat mir das auch ganz klar empfohlen.

00:10:38: Ich habe es auf jeden Fall nicht bereut.

00:10:40: Du hast ja erzählt, das war der Juniorchef, wenn ich mich richtig erinnere.

00:10:43: Und du bist mittlerweile auch im Betrieb in der Betriebsleitung?

00:10:46: Ja, ich bin dieses Jahr im Sommer in den Betrieb eingestiegen

00:10:51: und bin jetzt mitbeteiligter Gesellschafter.

00:10:54: Ich finde es auf jeden Fall richtig cool.

00:10:56: Als ich 2015 in den Betrieb kam, waren wir gerade mal zwei Festangestellte,

00:11:01: der Seniorchef und ein paar Aushilfen, zu denen ich ja auch gezählt habe.

00:11:05: Und jetzt sind wir mittlerweile fast 25 Mann festangestellt, immer noch zahlreiche Aushilfen dabei.

00:11:11: Wir bauen jetzt gerade auch unseren kompletten Betriebsstandort neu.

00:11:14: Also wir gucken auch in die Zukunft und zwar sehr positiv

00:11:18: und es macht einfach Spaß, in so einem geilen Betrieb dabei zu sein.

00:11:22: Ich habe mich auch gefragt, wie ein typischer Tag bei euch ausschaut?

00:11:25: Lukas, wenn du auch sagst, ihr seid 25 Leute, du bist auch mit in der Leitung –

00:11:30: bist du dann komplett im Büro oder bist du auch draußen unterwegs?

00:11:33: Was machst du da so?

00:11:34: Ich bin aktuell noch hauptsächlich draußen unterwegs.

00:11:36: Natürlich fallen auch schon ein paar Dispositionsaufgaben auf mich.

00:11:40: Zum Beispiel teile ich den Winterdienst mittlerweile komplett ein.

00:11:43: Das ist so mein Metier, weil ich selbst jahrelang auch Winterdienst gefahren bin.

00:11:47: Mittlerweile bin ich eher der Einteiler und halt der Notnagel, wenn mal jemand krank ist.

00:11:53: Ein typischer Tag: Wir versuchen schon immer, Wochenpläne für die ganzen Angestellten zu erstellen,

00:11:58: weil wir natürlich auch viele relativ planbare Baustellenaufträge haben.

00:12:03: Und natürlich ändert sich der Aufgabenplan aber unterm Tag ganz oft.

00:12:07: Und dann wird spätestens bis abends entschieden, was die Leute am nächsten Tag zu tun haben.

00:12:14: Das heißt, jeder weiß schon abends, wo er morgen früh ist.

00:12:16: Und das macht es eigentlich auch entspannter.

00:12:19: Jeder von uns hat ein Betriebsauto und können dann auch direkt zu unserer Arbeit fahren.

00:12:22: Ich bin sehr viel auf Baustellen unterwegs, nicht mehr so sehr in der Landwirtschaft.

00:12:26: Ich bin aber auch hin und wieder für den Seniorchef die Vertretung im Büro,

00:12:31: wenn er mal im Urlaub ist oder im Krankenstand.

00:12:34: Es ist immer abwechslungsreich – kein Tag ist wie der andere.

00:12:37: Also auf allen Spielpositionen bist du am Start.

00:12:40: Kai, wie ist es bei dir?

00:12:42: In der Ausbildung war es noch so,

00:12:43: dass ich 50 Prozent in der Werkstatt war, 50 Prozent auf den Maschinen, draußen auf dem Feld.

00:12:47: Mittlerweile bin ich immer mehr draußen auf den Maschinen,

00:12:53: weil je länger man dabei ist, desto mehr kann man, würde ich mal sagen.

00:12:58: Ich habe jetzt auch so zwei, drei Tätigkeiten, die bei uns eigentlich nur ich mache im Betrieb,

00:13:01: wie zum Beispiel Mais säen oder von den ganzen Wertstoffhöfen das Grüngut zusammensammeln,

00:13:06: weil wir eine Kompostieranlage dabeihaben.

00:13:09: Das ist so mein Alltag, dass ich jetzt mittlerweile eigentlich zu 70 Prozent auf dem Traktorsitz unterwegs bin.

00:13:17: Und wenn ich dann mal fertig bin, gehe ich davon aus,

00:13:20: dass ich eventuell in die Azubi-Ausbildung bei uns miteingebunden werde

00:13:25: und da auch das, was ich gelernt habe, wieder weitergeben kann.

00:13:28: Also da hättest du auch Lust darauf, die jungen Leute dann auch wieder mitzunehmen?

00:13:30: Genau. Ich hatte super Ausbilder, der das Unternehmen mittlerweile leider verlassen hat.

00:13:36: Aber ich hatte einen wirklich wahnsinnig guten Ausbilder

00:13:40: und ich hoffe, dass ich das später mal ähnlich weitergeben kann.

00:13:43: Du hast gesagt, am Anfang ist man in der Werkstatt.

00:13:47: Ich hätte gedacht, man fährt erst mal und geht danach in die Werkstatt,

00:13:49: weil man dann die Maschinen gut kennt und sie auch reparieren kann.

00:13:51: Aber nein, es ist andersrum?

00:13:52: Es ist zumindest bei uns schon so, dass man viel in der Werkstatt ist

00:13:57: und erstmal lernt, wie man Maschinen wartet und pfleglich mit denen umgeht,

00:14:04: bevor man dann selbst mit ihnen unterwegs ist

00:14:07: und dass man sich dann auch eventuell selbst zu helfen weiß, falls etwas ist.

00:14:10: Theoretisch ist das alles durch einen Ausbildungsplan am Anfang festgelegt,

00:14:15: was man wann wie machen müsste,

00:14:17: aber durch die Spontanität bei uns im Beruf ist das alles sehr schwierig.

00:14:22: Das ist vielleicht auch gar nicht schlecht, wenn man erstmal die Folgen sieht, falls man nicht gut gefahren ist.

00:14:25: Und dass man die Sachen erstmal reparieren muss, um danach vielleicht pfleglicher damit umzugehen.

00:14:28: Jetzt haben wir über den Tag im Betrieb gesprochen.

00:14:32: Wie schaut es denn in der Ausbildung aus?

00:14:33: Ihr habt ja die Schule in Triesdorf. Ist es dann en bloc oder wie läuft es ab?

00:14:38: Das Berufsgrundschuljahr haben wir ja erwähnt, aber gibt es dann immer noch Berufsschultage?

00:14:43: Kai, wie war das bei dir?

00:14:46: Man kann so sagen, pro Monat hat man eine Woche Schule in Triesdorf.

00:14:50: Dort ist man auch in einem Wohnheim untergebracht.

00:14:52: Das kostet fast gar nichts, ich glaube 5 Euro die Nacht.

00:14:55: Und neben den normalen Berufsschulwochen gibt es noch zwei überbetriebliche Kurse –

00:14:59: auch ganz spannend – einmal ein Effizienzkurs,

00:15:02: wo man lernt, wie man zum Beispiel Maschinen effizient einsetzt,

00:15:06: Dieselverbrauch senkt und einfach das Maximale rausholt.

00:15:10: Und der zweite Kurs ist eigentlich fast noch spannender,

00:15:13: das ist ein Intelligente-Landtechnik-Kurs, in dem es hauptsächlich über GPS geht,

00:15:18: also das der Traktor für einen lenkt oder dass er am Vorgewende automatisch umdreht

00:15:23: und dass man eigentlich nur noch zum Kontrollieren auf der Maschine sitzt.

00:15:26: Also total up to date dann? - Genau, ja.

00:15:28: Ich frage so nach, weil man ja manchmal sagt, die Schulen seien gar nicht so weit wie die Technik draußen.

00:15:33: Aber wenn es da einen Kurs gibt, dann hilft euch das tatsächlich für die Praxis draußen

00:15:39: und es ist am Puls der Zeit.

00:15:40: Ja, das ist an Triesdorf genial.

00:15:43: Es ist wie ein großes Dorf, wo alle landwirtschaftlichen Berufe zusammenkommen

00:15:48: und fast jeder Landtechnikhersteller die neueste Technik bereitstellt

00:15:52: und wo man als Schüler sehen, probieren, mal einsteigen und alles mal wirklich ausprobieren kann.

00:15:57: Und das ist genial.

00:15:59: Und du hast auch gesagt, ihr übernachtet da,

00:16:01: ich könnte mir vorstellen, da ist auch ganz gut Party am Start und vielleicht nicht immer nur lernen, oder?

00:16:05: Ja, man findet schon was.

00:16:07: Sehr gut formuliert.

00:16:08: Ich habe ein paar Entweder-oder-Fragen für euch vorbereitet.

00:16:11: Ich fang mit dir an, Kai: Lieber Aussaat oder Pflege oder Ernte?

00:16:15: Aussaat.

00:16:17: Mais hast du ja vorhin schon gesagt, genau.

00:16:20: Lieber fahren oder lieber reparieren?

00:16:22: Definitiv fahren.

00:16:24: Kai, lieber Sommer oder lieber Winter?

00:16:25: Sommer.

00:16:26: Lukas, lieber machen oder lieber organisieren?

00:16:28: Machen.

00:16:30: Kai, lieber Display oder lieber Hydraulikschlauch?

00:16:33: Das geht eigentlich beides Hand in Hand, aber eventuell doch lieber das Display im Traktor.

00:16:37: Lukas, noch die letzte Frage an dich: Lieber Hackroboter oder lieber Sädrohne?

00:16:41: Gute Frage.

00:16:43: Wir sind in unserem Betrieb in beidem sehr gut aufgestellt,

00:16:47: noch nicht aus der Luft, aber schwierige Frage...

00:16:50: Wahrscheinlich dann eher der Hackroboter.

00:16:53: Glaubt ihr, dass ihr mal von solchen Robotik-Sachen oder Drohnen ersetzt werdet?

00:16:58: Oder müsst ihr euch damit auskennen, wie seht ihr dann die Zukunft?

00:17:00: Ersetzt nicht, aber wir sind dann eher die Organisierer, nicht mehr die Macher.

00:17:05: Also bei uns in der Region im Zuckerrübenanbau laufen schon einige Sä- und Hackroboter, die beides machen.

00:17:11: Und das ist schon erstaunlich.

00:17:13: Es ist nicht so, dass man gar keine Arbeit mehr damit hat,

00:17:16: aber die Art der Arbeit verschiebt sich mehr ins Büro und mehr in die Planung und Organisation.

00:17:20: Man muss dann auch gucken, dass dann das auch wieder läuft.

00:17:23: Ja, dass der Roboter am Ende dann auch das macht, was du dir wünscht.

00:17:26: Du hast vorhin schon angesprochen, dass ihr auch diese Extrakurse habt, wie etwa zu GPS.

00:17:32: Also dieses ganze Precision Farming, also Präzisionslandwirtschaft

00:17:36: oder auch digitale Landwirtschaft, smarte Landwirtschaft.

00:17:39: Wie seht ihr das für euren Beruf?

00:17:41: Ist es für euch eine Chance, auch für euch als Lohnunternehmen

00:17:45: oder auch in der Zusammenarbeit mit den Landwirten?

00:17:47: Wie seht ihr das ganze Thema, Kai?

00:17:48: Ich sehe das Ganze als Wahnsinns-Arbeitserleichterung,

00:17:52: weil man sich voll und ganz auf das Arbeitsgerät konzentrieren kann, das man dabeihat –

00:17:58: zum Beispiel, wenn der Schlepper selbst lenkt.

00:18:00: Dadurch passieren weniger Fehler.

00:18:02: Man sieht Sachen eventuell früher

00:18:04: und deswegen sehe ich das einfach als gute Sache.

00:18:08: Kann man das dann auch selbst reparieren? Also der große Schlüssel ist dann vielleicht unnötig.

00:18:12: Wie schaut es aus?

00:18:13: Sobald es in die Software geht, lassen sich die Hersteller natürlich wenig in die Karten schauen, klar.

00:18:19: Das ist deren Know-how.

00:18:20: Da braucht man dann schon einen sehr guten Servicestandort in der Nähe.

00:18:25: Oder man bekommt auch mal telefonischen Service.

00:18:29: Mittlerweile können sich die Landtechnikhändler auch auf die Displays im Traktor draufschalten,

00:18:34: ähnlich einem TeamViewer auf dem PC, um Fehler auch mal in Realtime beobachten zu können.

00:18:41: Manchmal ist es wirklich so:

00:18:43: Man beschreibt den Fehler, aber er kann nicht nachvollzogen werden,

00:18:47: weil man dann vielleicht genau diesen Moment verpasst, wo der Fehler auftritt

00:18:51: oder er in der Werkstatt so nicht mehr reproduzierbar ist.

00:18:55: Und wenn der Händler oder der Servicetechniker dann live das sieht, was ich angezeigt bekomme,

00:19:01: da ist schon der eine oder andere Fehler gefunden worden, wo man sonst ewig rumgerätselt hätte.

00:19:05: Ich habe einmal eine Veranstaltung moderiert, da ging es auch darum,

00:19:09: dass von Seiten des Landtechnikherstellers gesagt wurde, ihr Problem sei es auch, die Leute zu schulen,

00:19:15: weil zum Beispiel die Sämaschine eben nur einmal im Jahr im Einsatz ist.

00:19:19: Und wenn ich die Schulung im Winter mache und der Einsatz erst ein paar Monate später ist,

00:19:22: haben die Leute das bis dahin wieder vergessen.

00:19:24: Deswegen sind vielleicht Sachen direkt an der Maschine interessanter,

00:19:28: weil es einfach dann, wenn es auftaucht, irgendwie behandelt werden kann.

00:19:33: Ganz oft, wenn Maschinen neu gekauft werden,

00:19:36: erfolgt dann die wirkliche Unterweisung in die Maschine beim Ersteinsatz,

00:19:41: weil dann die Leute da sind, die damit arbeiten müssen und man hat einen realen Einsatz.

00:19:47: Das ist das Problem, wenn ich nur eine Schulung irgendwann im Jahr mache –

00:19:51: bis ich es brauche, ist es definitiv vergessen.

00:19:55: Macht ihr im Betrieb auch oft Schulungen, Kai?

00:19:57: Also bei uns eher weniger, da wird es eher von den Kollegen untereinander beigebracht.

00:20:03: Wir kaufen selten ganz neue Technik, wir setzen mehr auf gebrauchte Technik

00:20:07: und da kommt es dann weniger zu Schulungen.

00:20:12: Ich habe jetzt schon so ein bisschen in Richtung Digitalisierung und Zukunft gefragt.

00:20:17: Viele Leute suchen ja auch in ihrem Beruf einen Sinn oder vielleicht auch einen Mehrwert für die Gesellschaft.

00:20:24: Wie ist es bei euch?

00:20:25: Würdet ihr auch sagen, abgesehen von dem eigenen Spaß, den ihr an der Sache auch habt,

00:20:29: gibt es da noch so einen Sinn dahinter?

00:20:31: Gibt es etwas, wovon ihr sagt, dass ihr es der Gesellschaft, oder der Welt zurückgebt?

00:20:35: Was ist das Wichtige eures Berufes für die Welt, Kai?

00:20:40: Das Problem ist, dass Landtechnik immer teurer wird.

00:20:44: Kleinere Familienbetriebe und Landwirte können sich eventuell den neuen Traktor für 300.000 Euro nicht mehr leisten.

00:20:52: Und da sehe ich uns schon als guten Ansprechpartner,

00:20:56: weil wir durch die hohe Auslastung, da wir viele Landwirte bedienen,

00:21:00: diese Traktoren und Maschinen kaufen können

00:21:04: und somit eventuell dann auch kleinere Familienbetriebe erhalten können.

00:21:08: Das heißt, ihr würdet die Familienbetriebe unterstützen.

00:21:11: Aber ich denke, dass euch wahrscheinlich auch größere Firmen beauftragen.

00:21:13: Wie ist das bei euch? Habt ihr landwirtschaftliche Kunden, habt ihr noch andere Kunden?

00:21:17: Ja, wir haben landwirtschaftliche, kommunale und auch Baufirmen als Kunden in unserem Portfolio.

00:21:24: Und wenn man sich das Landwirtschaftliche ansieht,

00:21:28: bringen wir da auch das Know-how mit als ausgebildete Fachkräfte.

00:21:32: Das darf man nicht vergessen. Wir sind nicht nur der Lohnunternehmer,

00:21:34: sondern wir genießen in großen Teilen dieselbe Ausbildung wie ein Landwirt.

00:21:38: Gerade im Pflanzenbau ist es eins zu eins dieselbe wie die der Landwirte.

00:21:41: Da sind wir Fachkräfte.

00:21:42: Und auch bei Nebenerwerbslandwirten, die vielleicht nicht mehr up to date sind

00:21:47: oder die sich lieber auf ihren eigenen Job konzentrieren und die Landwirtschaft nur noch nebenher betreiben,

00:21:53: da können wir natürlich auch in einer beratenden Funktion unterstützen.

00:21:55: Das wird, glaube ich, in Zukunft auch immer wichtiger, das als Dienstleistung zu vermarkten.

00:21:59: Die Beratertätigkeit, im Pflanzenbau beraten. Das ist so, ja.

00:22:03: Das heißt, du kommst jetzt also auf den Betrieb und bist zum Beispiel zum Mais säen gebucht.

00:22:10: Dann ist es Saatgut wahrscheinlich da und dann sagt man zu dir:

00:22:13: „So, jetzt mach einfach.“ Oder redet ihr darüber,

00:22:15: in welche Tiefe und in welchem Abstand es abgelegt wird oder wie läuft es dann?

00:22:19: Und braucht man dann den Meterstab?

00:22:21: Das ist von Kunde zu Kunde ganz unterschiedlich.

00:22:22: Es gibt welche, die sind ganz klar, die haben sie vorher informiert und wissen,

00:22:27: wie sie ihren Betrieb, ihre Außenwirtschaft, führen wollen.

00:22:30: Dann gibt es aber auch genau die anderen Kunden, die sagen:

00:22:31: „Du bist der Fachmann, du machst es ja jetzt eh die ganze Saison, mach einfach so, dass es passt.“

00:22:37: Und dann holst du natürlich, wenn du darauf Bock hast, das meiste für deinen Kunden raus.

00:22:41: Das verschafft dir Zufriedenheit, wenn du eine gute Arbeit ablieferst.

00:22:45: Der Kunde ist auch begeistert, weil du eine gute Arbeit abgeliefert hast.

00:22:48: Und das Ergebnis wird ja dann erst in ein paar Monaten sichtbar.

00:22:52: Das ist ja auch, wie du schon gesagt hast, eine Beratertätigkeit

00:22:56: und ihr seht ja viele Maisfelder – vielleicht mehr als der einzelne Landwirt.

00:23:01: Und dann macht ihr letztendlich einen Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Betrieben, oder?

00:23:06: Ja, das kann man schon so sagen.

00:23:08: Wenn man jetzt in der Saison beim 10. und 20. Landwirt ist, werde ich oft gefragt:

00:23:13: „Wie ist es denn dieses Jahr, wie machen es die anderen?“

00:23:15: und dann kann ich das so weitergeben und ihn auch beraten, was das Sinnvollste wäre.

00:23:23: Es sind also die handfesten und auch die beratenden Tätigkeiten.

00:23:26: Das finde ich schon spannend.

00:23:29: Aber gibt es denn auch Sachen, die euch stören an eurem Beruf?

00:23:31: Lukas, du vielleicht zuerst?

00:23:32: Ja, also die Flexibilität ist Fluch und Segen. Es ist einfach so.

00:23:36: Es macht sehr viel Spaß, auch mal länger zu machen,

00:23:39: weil man dann stolz darauf sein kann, wenn man eine Arbeit fertig bekommen hat

00:23:42: vor dem nächsten Regen, oder man hat jetzt einfach die Sache fertigbekommen,

00:23:46: die ist raus aus dem Kopf.

00:23:48: Natürlich ist es dann auch schwierig, gerade wenn es mal in die Familienplanung geht

00:23:51: oder natürlich die Frau zu Hause auch gewisse Bedürfnisse hat, dich mal zu sehen,

00:23:57: wenn dann eine Stunde vor Feierabend plötzlich das Kommando kommt,

00:24:01: dass wir heute noch drei oder mehr Stunden länger machen müssen.

00:24:05: Das kommt alles manchmal vor.

00:24:07: Wir versuchen, es im Betrieb dann auch durch Ablösung abzufedern

00:24:12: oder dadurch, dass dann wir oder der Meister halt diese Extrastunden macht,

00:24:19: damit der Angestellte auch mal nach Hause kann.

00:24:23: Da muss man ein gesundes Mittelmaß finden. Das ist ganz wichtig.

00:24:27: Zwischenfrage: Frauen? Wie schaut es denn bei euch mit Frauen aus?

00:24:31: Gibt es irgendwelche Agrarservice-Frauen?

00:24:33: Ja, die Auszubildende nach mir in unserem Betrieb, das war eine Frau.

00:24:39: Die hat jetzt auch dieses Jahr erfolgreich abgeschlossen und ist uns bis jetzt im Betrieb erhalten geblieben.

00:24:44: Sehr gut, also auch Frauen am Start. Super.

00:24:47: Was stört denn dich an deinem Beruf, Kai?

00:24:49: Ein Hauptpunkt ist, wenn es jetzt wirklich über mehrere Wochen oder einen langen Zeitraum immer spät wird,

00:24:57: das ist dann schon mal störend.

00:24:59: Aber wenn sich das jetzt in Grenzen hält und nur mal so ein, zwei, drei Wochen ist, dann geht es noch.

00:25:05: Und auch wenn man wirklich Spaß an der Arbeit hat, kommt es vor, dass man mal einen schlechten Tag hat

00:25:10: in der Arbeit und von dem darf man sich dann nicht runterkriegen lassen

00:25:13: und einfach am nächsten Tag wieder mit derselben Freude in die Arbeit gehen.

00:25:16: Ich glaube, das haben wir alle. Das gibt es auch in jedem Beruf, glaube ich.

00:25:19: Meine Tante hat immer gesagt: „Jeder Traumjob ist immer auch noch ein Job.“

00:25:22: Das finde ich ganz gut.

00:25:23: Kai, welchen Moment gibt es denn so am Tag, wo dir richtig das Herz aufgeht?

00:25:28: Für mich ist am schönsten, wenn ich im Frühjahr einen Monat oder ein paar Wochen nach der Aussaat

00:25:34: an den Feldern wieder vorbeifahre, die ich gesät habe und sehe, dass es passt.

00:25:39: Man sieht dann genau, es geht alles auf, man hat alles richtig gemacht, man hat gerade gesät.

00:25:46: Das ist für mich eigentlich so der schönste Moment.

00:25:50: Die Wirkung zu sehen von der eigenen Arbeit – schön.

00:25:53: Lukas, du hast gelacht, du kennst das wahrscheinlich auch.

00:25:55: Vielleicht hast du noch einen ganz anderen Moment?

00:25:56: Ich kenne es auch. Aber dadurch, dass ich auch viel mehr in der Bauwirtschaft tätig bin und auch viel Bagger fahre:

00:26:01: Wenn man mit einem Bagger irgendwas modelliert hat, einen Bachlauf oder so, dann hat man ja das Ergebnis.

00:26:07: Dann mache ich auch ganz oft Bilder davon und erfreue mich daran, das irgendwann mal wieder anzuschauen

00:26:11: und zu sagen: „Cool, das hat mir damals richtig gut gefallen.“

00:26:14: Oder auch landwirtschaftlich.

00:26:17: Wenn du säst und dann erst ein paar Wochen später siehst,

00:26:20: ob es wirklich auch so perfekt ist, wie du denkst. Das macht schon Spaß.

00:26:25: Ja, da muss man immer ein bisschen aufs Ergebnis warten, ob die Saat dann im wahrsten Sinne des Wortes aufgeht.

00:26:30: Das ist auch das Problem in der Landwirtschaft, gerade in der Aussaat.

00:26:33: Wenn du da einen Fehler machst und eine Fahrgasse verhaust,

00:26:36: wirst du das das ganze Jahr lang sehen, bis es weggedroschen wird.

00:26:40: Und das wird ja auch der Landwirt, wenn du ihn gut kennst und öfter siehst, auch jedes Mal vorhalten.

00:26:44: Also, du wirst es nicht vergessen und der Landwirt wird dich erinnern, falls du es vergisst.

00:26:47: Der wird mich erinnern, ja.

00:26:49: Ich habe noch ein Sätze-vervollständigen-Spiel mit euch vor.

00:26:52: Kai, ich fange mit dir an. „Mein lustigstes Erlebnis in der Ausbildung war…“

00:26:56: In der Berufsschule, als wir bei einem Klassenkameraden zu zehnt hinten auf seiner Pritsche gesessen sind,

00:27:04: mit einem Kasten Bier und dem nächsten Häcksler hinterhergefahren sind.

00:27:09: Kam dann auch alles an?

00:27:11: Kam alles an, hat hingehauen.

00:27:14: Gut. Lukas, „Mein peinliches Erlebnis in der Ausbildung war…“

00:27:19: Da sind wir wieder beim Thema Aussaat. Ich sollte für ein Landwirt bei uns im Ort Soja aussäen.

00:27:25: Wir haben vorher noch darüber geredet, wie wir die einzelnen Äcker anlegen, in welche Bearbeitungsrichtungen.

00:27:31: Das war ein Biolandwirt und er muss sie ja hinterher auch maschinell pflegen können.

00:27:34: Jetzt hatte ich kurz vorher in der Blockschulwoche das Thema Bodenerosion.

00:27:38: Da haben wir gelernt, dass man quer zum Hang sät, um eben erosionsmindernd auszusäen.

00:27:44: Ja, jetzt haben wir ein bisschen aneinander vorbeigesprochen.

00:27:48: Ich habe den Hang dann quer zur Fahrtrichtung gesät, wie ich es gelernt hatte.

00:27:53: Ich habe dann hinterher den Landwirt auch noch ganz stolz angerufen „Ah, es hat alles geklappt!“

00:27:57: Dann sagt er: „Nee, das ist jetzt nicht ein Ernst, oder? Wir wollten doch von oben nach unten säen.

00:28:01: Der ist so krumm, den kann ich so nicht gescheit hacken.“

00:28:03: Dann habe ich mir gedacht: „Mist, jetzt können wir es nicht mehr ändern, gesät ist gesät.

00:28:07: Das siehst du jetzt das ganze Jahr.“ Das habe ich das ganze Jahr vorgehalten bekommen.

00:28:11: Er hat es am Ende trotzdem hacken können.

00:28:13: Ich wollte gerade fragen, ob du dann zum Hacken vorbeikommen musstest.

00:28:15: Er hat es mir angedroht – im Spaß natürlich.

00:28:19: Er hat gesagt: „Naja, wenn nicht, musst du mit dem Hackgerät kommen, dann musst du es machen.“

00:28:22: Und es ist Gott sei Dank alles gut ausgegangen, aber es war mir ein Denkzettel.

00:28:26: Ja, und da sind wir wieder beim Thema Kommunikation, das ist alles.

00:28:29: Und manchmal redet man halt – und das ist auch menschlich – aneinander vorbei.

00:28:32: Ja, und eben auch das Thema „aus Schaden wird man klug“,

00:28:35: dass man halt aus solchen Sachen dann lernt.

00:28:36: Und dann fragst du das nächste Mal dreimal nach. Das verstehe ich.

00:28:39: Ja, das ist so.

00:28:40: Kai, „Agrarservice ist etwas für Quereinsteiger, weil…“

00:28:44: …weil der Beruf nicht voraussetzt, dass wenn man mit der Ausbildung fertig ist,

00:28:49: man den Hof daheim übernimmt,

00:28:51: sondern einfach in dem Unternehmen weiterarbeiten kann, in dem man die Ausbildung gemacht hat.

00:28:55: Und sozusagen auch ohne Hof solche Sachen machen kann.

00:28:58: Lukas, „Agrarservice eignet sich für alle, die…“

00:29:02: …die richtig Bock haben, etwas zu bewegen, die auch gerne mal ihr Arbeitsergebnis sehen.

00:29:07: Und eben nicht nur, ob der Papierstapel auf dem Schreibtisch abnimmt,

00:29:12: sondern zu sehen, was man in der Natur auch bewirkt.

00:29:15: Wir sind ja auch Kulturpfleger oder Kulturlandschaftserhalter.

00:29:18: Ob die Saat aufgeht, ob der Bachlauf dann schön ist oder funktioniert.

00:29:24: Kai, „Der Grund für eine Ausbildung im Agrarservice ist…“

00:29:28: Für mich war der Grund die Arbeit in der Natur draußen, weil ich in einem Bürojob nicht glücklich werden würde,

00:29:36: genauso wenig wie in der Industrie, in einem großen Werk oder so.

00:29:39: Und einfach in der Natur, in der frischen Luft arbeiten.

00:29:41: Und trotzdem auch eine Mischung, wenn du gerade in der Disposition oder als Ausbilder arbeitest,

00:29:49: dann hast du auch wieder verschiedene Sachen.

00:29:51: Lukas, was ist für dich der Grund für eine Ausbildung im Agrarservice?

00:29:55: Der Grund für mich für eine Ausbildung im Agrarservice ist:

00:29:59: Wenn du Bock hast, Maschinen zu fahren, wenn du landtechnikbegeistert bist,

00:30:03: wenn du einfach brennst für Landwirtschaft, für Natur

00:30:09: und für den Mix eben aus Büro, Arbeit und Ausbildung.

00:30:16: Als Fachkraft Agrarservice ist man das Bindeglied zwischen der Außen- und der Innenwirtschaft.

00:30:22: Wo kann ich mich denn informieren, wenn ich jetzt sage, ich will auch Agrarservice machen?

00:30:26: Für Bayern wäre es zum Beispiel die Regierung von Mittelfranken, Sachgebiet 61.

00:30:31: Da kann ich an der Stelle Herrn Heinz Merklein auch mal namentlich nennen.

00:30:35: Der ist für die Ausbildung zuständig.

00:30:37: Und natürlich über den BLU, also den Bundesverband Lohnunternehmen, kann man sich auch sehr gut informieren.

00:30:45: Da gibt es auch sehr viel Infomaterial und einschlägige Websites.

00:30:49: Hast du noch eine Ergänzung, Kai?

00:30:51: Eventuell auch immer mehr durch Ausbildungsberater in dem eigenen Landkreis, wo man ist.

00:30:58: Bei mir war es damals so, die haben den Beruf nicht gekannt,

00:31:01: aber vielleicht ist es ja jetzt ein paar Jahre später anders, dass man dahingehend auch beraten wird.

00:31:07: Es ist ja noch ein jüngerer Beruf, habt ihr ja schon gesagt.

00:31:09: Aber vielleicht ist es mittlerweile durchgesickert.

00:31:11: Auf der Website vom Ministerium kann man sich auch informieren.

00:31:14: Da sind alle „Grünen Berufe“ aufgeführt.

00:31:18: Da kann man nochmal schauen, auch in Triesdorf. Dort gibt es einige Informationen.

00:31:24: Oder einfach zum nächsten Lohnunternehmen gehen...

00:31:25: Das wollte ich gerade sagen.

00:31:26: …so wie ihr es letztendlich auch gemacht habt.

00:31:28: Ja, die verweisen dich dann im Zweifelsfall an die richtigen Stellen.

00:31:32: Und dann ist eigentlich schon fast sicher, dass du dort auch genommen wirst,

00:31:36: weil man natürlich immer Nachwuchs sucht, wie in jedem Beruf.

00:31:39: Deswegen sind wir auch heute hier, um den Beruf vorzustellen.

00:31:42: Es gibt nicht so viele, wie man denkt. Er ist jetzt erst im zehnten Agrarservicemeisterkurs.

00:31:47: Das sind also für Süddeutschland um die 100 Leute bis jetzt.

00:31:51: In der Ausbildung sind es auch immer maximal zwei Klassen pro Jahr.

00:31:55: Also wir sind schon ein kleiner Wirkungskreis.

00:31:58: Aber das ist auch wieder cool, weil wir uns oft untereinander kennen.

00:32:01: Oder dann irgendwie über den übernächsten Lohner.

00:32:03: Es ist eigentlich so eine kleine verschworene Einheit.

00:32:06: Und Triesdorf ist der Schmelztiegel, wo alle auch wieder zusammenfinden

00:32:10: an den verschiedenen Bodenbearbeitungstagen, Johannitag oder Gülletag.

00:32:14: Die Lohnunternehmer unter uns werden das alles kennen.

00:32:17: Es ist auch immer cool, dort den zwischenmenschlichen Austausch zu haben.

00:32:21: Ja, das hatten wir hier auch schon bei verschiedenen Berufen,

00:32:24: dass es oft so kleine, feine, eingeschworene Gemeinschaften sind

00:32:29: und das auch ganz viel vom Reiz des Berufs ausmacht, dass man sich untereinander kennt,

00:32:33: dass vielleicht der Ausbilder im Betrieb auch schon den gleichen Lehrer in Triesdorf hatte

00:32:38: und man dessen Macken kennt.

00:32:41: Und das ist total nett, dass das eben einfach eine Gemeinschaft ist.

00:32:46: Ja, wir hoffen, dass ihr da draußen jetzt auch auf den Traktor oder den Drescher steigen wollt

00:32:52: oder vielleicht auch jemanden kennt, der das gerne macht,

00:32:53: auch ohne Hof möglich, aber eben mit Leidenschaft für Maschinen,

00:32:57: für die Natur draußen, auch für andere Arbeiten, die ihr aufgezählt habt.

00:33:02: Und ich glaube, wie ihr auch erzählt habt, das ist ein Beruf mit „blühender“ Zukunft oder „grüner“ Zukunft.

00:33:08: Leitet den Podcast gerne auch an Leute weiter, die sich dafür vielleicht interessieren.

00:33:11: Weitere Infos findet ihr wie immer unterhalb des Videos in den Shownotes.

00:33:15: Und so verabschieden wir uns

00:33:17: aus dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

00:33:23: und wünschen euch noch einen schönen Tag mit unseren „Grünen Berufen“.

00:33:26: Outro: Land.Schafft.Bayern – Der Podcast.

00:33:31: Eine Produktion des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus

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